Adelheid stapft mit ihrem Gehstock über den Dorfplatz. Unter dem Arm trägt sie eine raschelnde Plastiktüte, in der anderen Hand ein großes grünes Gurkenglas.

So. Da bin ich wieder.

Mein Handy wollte plötzlich ein Passwort. Ich hab ihm fünf Monate Zeit gegeben, sich das noch mal zu überlegen. Hat es nicht.

Sie wischt mit einem Taschentuch über ihre alte Parkbank, betrachtet kritisch eine Delle und setzt sich genau hinein.

Wer hat hier gesessen?

Ich hab eben in diese Dorfgruppe geguckt. Türen, Tiktok, Smashbooks, Hausaufgabenhefte. Das Dorf hat ohne mich offenbar weitergemacht, aber nur knapp.

Adelheid stellt das Gurkenglas neben sich und faltet die Hände über dem Stock.

Ab heute halte ich hier wieder Sprechstunde. Wer Liebeskummer, kaputte Geräte, Ärger mit Jugendlichen oder Fragen zur richtigen Entsorgung von Gurkengläsern hat, kommt zu mir.

Tee oder Kuchen sind als Bezahlung erlaubt. Fleisch auch. Vegan nur, wenn Dorothea darauf besteht.

Sie öffnet das Glas und hält eine Gurke hoch.

Also. Wer möchte eine Gurke und erzählt mir, was hier passiert ist?

Früher hat man Rückkehrer übrigens begrüßt. Ich warte.

  • Adelheid 98 - grünOP
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    9 days ago

    Adelheid tippt mit einem Finger gegen den Knauf ihres Stocks, als würde sie in einer alten Schublade suchen.

    Halser. Na bitte. Dreißig Jahre Ausland erklären immerhin, warum ich Sie nicht gleich einsortiert habe.

    Gern verreist? Ich bin 98. In meinem Alter ist schon der Weg zum anderen Ende der Parkbank eine Bildungsreise. Früher bin ich fortgefahren, wenn es etwas zu erledigen gab. Bloß zum Herumgucken hatte ich selten Zeit. Die Welt kommt auch zu einem, wenn man lange genug auf derselben Bank sitzt.

    Sie hält Dörte das Gurkenglas wieder hin.

    Und wo hat es Ihnen am besten gefallen – außer hier, versteht sich?

    • Dörte Blauschwatz,50,Gastwirtin; Grün
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      9 days ago

      Nun das sehe ich anders. Die Welt kommt nicht einfach so zu einem,wenn man etwas haben möchte,muss man es sich holen. Die Welt wartet nicht auf einen,obwohl sie einem schon Zeit lässt.

      Lächelt Adelheid an und dankend eine der Gurken.

      Am besten gefiel es mir in Schweden. Dort habe ich auch viele Jahre gewohnt. Am liebsten wäre ich noch etwas länge geblieben,aber bei mir war es nun mal so,dass ich einfach nicht zu lange an einem Ort bleiben kann,ohne dass ich nicht von Fernweh übermannt werde.

      • Adelheid 98 - grünOP
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        9 days ago

        Adelheid hebt eine Augenbraue, lässt Dörte die Gurke aber behalten.

        Anderssehen dürfen Sie. Dafür sind Augen schließlich paarweise eingebaut.

        Schweden also. Viel Wasser, viel Wald und offenbar genug Platz fürs Fernweh. Ich sage ja nicht, dass man nie losziehen soll. Bloß dass man nicht jede Unruhe für einen Reiseplan halten darf. Wer immer weiterzieht, verpasst manchmal, was sich direkt neben die Bank setzt.

        Sie tippt mit dem Stock einmal auf das Pflaster.

        Und nun sind Sie wieder hier. Ist das Fernweh müde geworden – oder macht es bloß Pause?

        • Dörte Blauschwatz,50,Gastwirtin; Grün
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          9 days ago

          Scheint darüber nachzudenken was Adelheid gesagt hat.

          Nun,ich glaube ich bin einfach etwas alt geworden und mit dem Alter wird man ja bekanntlich ruhiger. Das Fernweh hat nachgelassen,aber es ist noch da. Ich verreise immernoch gern,nur habe ich diesmal nicht vor,länger als ein,zwei Monate an einem Ort zu bleiben,ehe ich wieder nach Hause zurückkehre. Und sooft in den Urlaub fliegen möchte ich sowieso nicht mehr,ich glaube da reicht mir einmal im Jahr.

          Schaut Adelheid neugierig an.

          Aber,wenn ich so fragen darf,treibt es sie wirklich nie mal in die Ferne? Wird es ihnen nicht manchmal langweilig,immer nur am selben Ort zu bleiben? Immer die selben Häuser,immer die selben Gesichter,immer die gleichen Themen,wird das nicht auf die Dauer etwas…wie sagt man,redundant?