Anni räumt und rumpelt in der Gärtnerei herum. So richtig weiß sie heute nichts mit sich anzufangen. Obwohl sie den Winter mag und eigentlich auch genug Zimmerpflanzen im Haus hat fehlt ihr langsam das bunte Drumherum, ein sprießende Garten, grüne Pflanzen um sich herum, Kundinnen und Kunden, die mehr wollen, als nur einen Blumenstrauß. Es nervt ein wenig. Nach einer Weile geht sie mit einer Bürste in den Garten und bürstet die Ziegen, sehr ordentlich und seeeehr lange. Auch die sind sichtlich gelangweilt, alles ist vereist.


Anni lächelt. Ihre komischen Gedanken sind verflogen. Hinter ihr ist ein leichtes Schnauben zu hören. Eine kleine Ziege mit schwarzweißem Fell drückt ihren Kopf vorsichtig und neugierig an Anni vorbei und prustet laut, die Nüstern blähen sich im schnellen Rhythmus auf. Kilian ist wie immer einen Schritt neugieriger als die beiden anderen und begutachtet den Besuch im Garten freundlich.
Als die Katze die Ziege sieht, faucht sie, sträubt ihr Fell und macht einen Katzenbuckel, sodass sie plötzlich viel größer und dicker wirkt.
Anni schiebt Kilian schnell ein Stück zurück. Kilian ist unbeeindruckt, er kennt Katzen und missversteht die Ablehnung der Streunerin als Spielaufforderung. Er scharrt mit dem Huf, macht ein Geräusch, das irgendwie mehr nach Truthahn als nach Ziege klingt und sieht fast aus, als würde er frech grinsen.
Maaaan Kilian, nicht immer so wild. Keine Angst Kleine, niemand tut dir was. Anni guckt Kilian gespielt böse an und schaut, dass er ein Stück zurückweicht. Dann schaut sie zurück zur Katze. Ob Kilian sie jetzt verschreckt hat?
Die Katze weicht ein paar Schritte zurück, den Katzenbuckel noch halb angespannt. Ihr Fell legt sich langsam wieder an, doch die Ohren bleiben aufmerksam nach vorn gerichtet. Sie mustert Kilian misstrauisch, den Schwanz leicht peitschend, bereit, im nächsten Moment zu fliehen. Erst als Anni ruhig spricht, lässt sie ein leises, unsicheres Miau hören und bleibt stehen, als würde sie überlegen, ob Weglaufen wirklich nötig ist.
Anni steht vorsichtig auf und lockt Kilian in den inneren Verschlag
/un Die Ziegen dürfen den ganzen großen Garten nutzen aber um ihren Verschlag ist nochmal ein kleiner extra Zaun gezogen.
/dorf Mäuschen, ich könnte dir von drinnen einen kleinen Snack bringen und ich hab in der Gärtnerei auch ein paar Töpfchen Katzenminze, aber irgendwie hab ich Angst, dass du dich bis dahin verabschiedest. Willst du kurz zum Haus mitkommen? Anni versucht die Katze mit den klischeehaften “Putputput” Geräuschen mit sich Richtung Haus zu locken. Keine Angst, ich tu dir nichts, wirklich.
Die Katze bleibt einen Moment wie eingefroren stehen, die Augen groß und aufmerksam. Dann schnuppert sie vorsichtig in Annis Richtung, macht einen kleinen, unsicheren Schritt vorwärts, bleibt wieder stehen und zieht die Nase hoch, als wolle sie die Luft prüfen. Schließlich gibt sie ein leises, skeptisches Miauen von sich, schaut zu Anni hoch und setzt sich dann langsam in Bewegung, die Pfoten fast geräuschlos über den Boden, aber immer wieder stoppend, um sicherzugehen, dass keine Gefahr droht.
Anni lächelt wieder, als die Katze ihr zögerlich folgt. Wahrscheinlich gehört sie jemandem, sonst wäre sie doch viel scheuer? Als sie an der Haustür angekommen ist, wirft Anni nochmal einen prüfenden Blick auf das Kätzchen und lässt die Tür offen, als sie schnell zum Kühlschrank in der Küche geht. Sie hoffe, dass die Kleine so lange wartet. Sie kramt ein wenig herum und hat schnell eine Packung mit Putenbrustaufschnitt in der Hand. Es raschelt, als Anni die Packung öffnet.
Die Katze bleibt sofort stehen, die Ohren gespitzt und die Nase in der Luft, als das Rascheln der Packung sie erreicht. Ihre Augen weiten sich, der Schwanz zuckt leicht aufgeregt, und sie macht ein leises, erwartungsvolles Miauen. Vorsichtig setzt sie einen Schritt näher an Anni heran, schnuppert am Boden, als würde sie abwägen, ob es sicher genug ist, noch ein Stückchen näher zu kommen.
Anni sieht, wie die Katze zögerlich in der Tür steht. Du musst nicht reinkommen, du darfst aber gerne. Sie nähert sich ganz vorsichtig und legt ein Stückchen von Geflügelaufschnitt vor das Kätzchen. Hm, ein Halsband hast du nicht. Aber das haben ja auch die wenigsten Freigänger. Gehörst du vielleicht zu dieser neuen Familie? Anni überlegt, wie sie jetzt rausfinden kann, ob die Katze gechipt ist. Außer Franzi fällt ihr niemand ein. Aber eigentlich hat sie weder Lust Franzi, noch, viel schlimmer, Nathalie zu sehen…