Die Ungerechtigkeit dieser Welt kannte keine Grenzen. Kira saß vor ihrer Schüssel – dieser Frechheit aus Plastik – und musterte sie mit dem eiskalten Blick einer Kriegerin, die schon bessere Zeiten gesehen hatte. Monate. Monate lang hatte sie dieses Halbportions-Elend erduldet. Mit Würde. Mit stoischer Geduld. Aber jetzt? Jetzt war Schluss. Ihr Blick glitt langsam zu Anni hinüber. Diese Menschenfrau, die da so unbekümmert durch die Küche schwebte, als wäre alles in bester Ordnung. Als hätte sie nicht gerade das größte Verbrechen des Haushalts begangen. Wer glaubt die eigentlich, wer sie ist? Kira ließ ein leises, bedeutungsvolles Fauchen los – nicht laut, nein. Laut wäre zu einfach gewesen. Dies war ein philosophisches Fauchen. Ein Fauchen mit Geschichte. Mit Tiefe. Anni drehte sich um. Kira blinzelte einmal, langsam und königlich, und wandte dann demonstrativ den Kopf ab. Die Botschaft war übermittelt.


Anni starrt Kira an, ihr Blick wird weich, mitleidig, verzweifelt. Ich… du… sie ist völlig planlos, wie sie die Situation jetzt retten soll. Du… ^hättest dich auch mehr bewegen können?^
Kira stapft zur Futterschüssel und gibt ihr Bestes, das ganze Haus mit ihrem unüberhörbaren Konzert auf das leere Näpfchen aufmerksam zu machen.
Anni schaut Kira sehr traurig an. Wie wär’s mit… Ein bisschen mehr gekochter Möhre? Anni hält ihr ein Stückchen Möhre vor die Nase.
Das klappern hörte sofort auf als Kira die Karotte vor ihrer Nase hingehalten bekommt. In wenigen Sekunden verwandelte sich die böse Kira in eine brave schnurrende Katze die auch gestreichelt werden will.
Anni strahlt. Dass es so einfach werden würde, hätte sie nicht gedacht. Wollen wir dich später mal wiegen? Du hast wirklich gut abgespeckt, vielleicht können wir jetzt auch auf Erhaltung gehen!
Kira schleckt die Hand von Anni ab und schnurrt dabei.
Anni stellt sich erst selbst auf die Waage, nimmt dann vorsichtig Kira hoch und stellt sich nochmal drauf. Hm, da sind bei mir… okay lassen wir das, du bist bei 4,2! Die 4 schaffen wir noch,.oder?
Kira gibt nur ein leises Miau von sich und guckt Anni mit großen Augen an.