Wie an jedem Morgen wartet Dorothea einen ruhigen Moment ab, bis das Stimmengewirr am Frühstückstisch etwas abebbt. Dann richtet sie sich auf und sieht in die Runde. Meine Lieben… heute steht unsere Abreise an. Ich möchte euch bitten, nach dem Frühstück eure Betten abzuziehen und die Bettwäsche in den Wäschewagen zu legen, der draußen stehen wird. Packt eure Koffer vollständig und schaut bitte noch einmal gründlich durch eure Zimmer. Kontrolliert, ob irgendwo noch Ladekabel in Steckdosen stecken, ob etwas unter dem Bett liegen geblieben ist oder noch Kleidung in den Schränken hängt.
Wenn eure Koffer gepackt sind, bringt ihr sie bitte zum Reisebus. Dort werden sie verstaut. Den Tag heute nutzen wir trotzdem noch gemeinsam. Wir fahren nach Dream World, einem großen Freizeitpark hier in Bangkok. Dort gibt es verschiedene Fahrgeschäfte, Shows und auch genügend Möglichkeiten, etwas Ordentliches zu essen. Ihr könnt den letzten Tag also noch einmal genießen.
Bevor wir losfahren, möchte ich aber schon einmal Danke sagen. Danke für diese gemeinsamen Tage, für eure Offenheit, eure Gespräche und auch für die vielen kleinen Momente dazwischen. Und natürlich ein großes Dankeschön an alle Kochgruppen, die sich jeden Tag um unser Essen gekümmert haben. Dorothea greift in ihre Tasche und holt einen neuen Stein hervor. Zum Abschluss möchte ich den Redestein noch einmal durch die Runde geben. Jede und jeder von euch darf kurz sagen, was er oder sie aus dieser Reise mitnimmt. Vielleicht eine Erfahrung, vielleicht eine Erkenntnis, vielleicht auch nur einen Gedanken. Ich fange an. Sie lächelt. Für mich war es besonders schön zu sehen, wie ihr miteinander gewachsen seid. Nicht immer ohne Reibung, aber mit viel Mut, euch aufeinander einzulassen. Und ich habe selbst gelernt, euch noch ein bisschen mehr zuzutrauen. Dann reicht sie den Stein weiter in die Runde.


Ich verstehe, was du meinst. Aber ich finde es ehrlich gesagt auch ein bisschen schade, dass du es so kleinredest. Benni und ich haben uns wirklich viel Mühe gegeben, euch hier unterschiedliche Eindrücke zu ermöglichen. Natürlich ist eine Reise immer nur ein Ausschnitt. Aber zu sagen, wir hätten nichts gelernt, wird dem, was wir gemeinsam erlebt haben, nicht ganz gerecht. Kritik ist völlig in Ordnung. Aber ich wünsche mir, dass wir dabei auch sehen, was gelungen ist.
Was hältst du den für gelungen?
Eine ganze Menge. Viele von euch haben es geschafft, zwei Wochen Abstand zu ihren Gewohnheiten zu bekommen. Ohne Alkohol, ohne andere Substanzen. Das ist für Menschen mit Suchtproblemen kein kleiner Schritt. Wir haben gemeinsam gekocht, Verantwortung übernommen, Konflikte ausgehalten und gelöst. Ihr habt euch mit einer anderen Kultur beschäftigt, euch bewegt, euren Körper gespürt und auch gelernt, mal zur Ruhe zu kommen. Und vor allem habt ihr erlebt, dass Gemeinschaft tragen kann. Dass man nicht allein durch schwierige Dinge gehen muss. Das halte ich für ziemlich gelungen.
Es war eine Woche und davon hätte man auch alles im Hunsrück machen können.
Das steht dir natürlich frei, das so zu sehen. Die Reise war ein freiwilliges Angebot. Niemand musste daran teilnehmen. Und wenn du das Gefühl hast, dass dir so etwas nichts gibt, dann wäre es vielleicht tatsächlich sinnvoller, beim nächsten Mal in Hausen zu bleiben. Und dabei können wir es jetzt belassen. Dorothea lächelt bestimmt.
Dorothea, es kam mir aber nicht so vor, als sei dass ein freiwilliges Angebot!
Suzanne, die Anmeldungen für diese Reise sind freiwillig erfolgt. Und ich werde darüber jetzt nicht weiter diskutieren. Du bist eine erwachsene Frau. Kein Kleinkind, das kein Nutella auf sein Brot bekommt. Es reicht jetzt.
Oah darf ich Nutella?
Ja.
Häh…doch klar! War alles freiwillig
^auser für Jerome. Ich glaube da hat das der Bewährungshelfer entscheiden ^