Die Reisegruppe läuft durch das Tor auf den großen Hof des Tempelgeländes. Überall glänzt Gold in der Sonne, die Dächer sind bunt verziert und an den Eingängen stehen riesige Wächterfiguren. Dorothea bleibt kurz stehen und schaut sich um. Ganz schön beeindruckend hier. Sie zeigt auf die großen Figuren am Eingang. Die stehen hier als Wächter. Die sollen symbolisch den Tempel beschützen. Dann deutet sie auf das Hauptgebäude. Dort drinnen steht der sogenannte Smaragd-Buddha. Für viele Menschen in Thailand ist das eine sehr wichtige religiöse Statue. Ein paar Mönche laufen über den Hof. Dorothea wird automatisch etwas leiser. Hier kommen viele Menschen her, um zu beten. Deshalb bleiben wir einfach ruhig und schauen uns alles an. Sie sieht wieder zur Gruppe. Ihr könnt euch ruhig ein bisschen umsehen. Bleibt aber bitte in der Nähe.
Wenn ihr euch alles angesehen habt, was ihr euch anschauen möchtet, könnt ihr euch in euren kleinen Gruppen gerne noch ein bisschen in der Umgebung umsehen. Gebt Benni oder mir bitte kurz Bescheid, bevor ihr losgeht, damit wir wissen, wer mit wem unterwegs ist. Der Bus zurück zur Unterkunft fährt um 18 Uhr. Bis dahin treffen wir uns wieder hier.


Ja, das tut wirklich gut… Dorothea sieht nochmal in den Jutebeutel. Gläser habe ich leider nicht dabei. Dann trinken wir eben aus der Flasche. Ganz bodenständig. Ich glaube das dürfen wir uns ausnahmsweise mal erlauben.
Hömma also eigentlich machich datt nich. Kalle sieht Doris Gesichtsausdruck und fängt an zu lachen
Watt hatt dich eigentlich nach Hausen verschlagen?
Ich habe vorher in einem Jugendheim in der Stadt gearbeitet. Die Arbeit hat mir viel gegeben. Die Jugendlichen, meine Kolleginnen und Kollegen… auch meine Freunde und meine Familie waren dort. Sie lächelt. Aber ich habe eigentlich schon immer gemerkt, dass ich nicht so richtig ins Stadtleben passe. Das war nie wirklich meins… Trotzdem bin ich lange geblieben. Weil die Arbeit wichtig war und weil ich dachte, das müsste eben so sein. Irgendwann hat das aber nicht mehr gereicht. Und dann bin ich nach Hausen gezogen. Und du? Warst du eigentlich schon immer in Hausen oder hat es dich auch irgendwann dorthin verschlagen?
Hömma ich komm eigenslich ausse Stadt. Vaddern is abba irgenswann innen Abstich beim Hochofen gefallen …
Datt hatt mich n bissken ausse Bahn geworfen. Und als ich mich dann immer mitte Jungs ausse Siedlung gekloppt hab hatt Muddern mich hier nach Hausen geschickt zu meine Onkel und Tante. Da warich 7 oder 8 oder so. Also…ich bin schon lange in Hausen. Auch wennich zwischendurch mal… wech war.
Das mit deinem Vater… das tut mir leid. So ein Verlust muss unglaublich schwer gewesen sein. Vor allem, wenn man noch so jung ist. Ich kann gut verstehen, dass dich das damals aus der Bahn geworfen hat. Vielleicht war es dann tatsächlich etwas Gutes, dass deine Mutter dich nach Hausen geschickt hat. Manchmal brauchen Menschen einfach einen neuen Ort und ein paar andere Menschen um sich um wieder zu sich selbst zu finden. Und wenn man sich anschaut, was aus dir geworden ist… dann ist doch ein ganz vernünftiger Kerl aus dir geworden. Dorothea lacht.
Hömma wenn du datt sachs lacht auch
Ja Hausen war schon echt ne gute Sache. Ohne datt hättich zum Bleistift Andi und vor allem Schorschi nie kennengelernt. Ach eigenslich fast alle…bis auf die olle Wolfeisen…die war damals schon ne Hexe…
Und eigenslich auch echt schön dattet dich nach Hausen verschlagen hat…und datte nich sofort wieder schreiend abgereist bis lacht wieder
Naja… das ein oder andere Mal wäre mir die Flucht auch ganz recht gewesen. Wenn man aus der Stadt kommt, denkt man ja schnell, dass auf dem Dorf alles ruhiger und einfacher ist. Aber eigentlich ist es genau das Gegenteil. Hier geht einem alles viel näher. Es ist ein bisschen wie eine große Familie. Und in großen Familien gehört nun einmal auch Chaos dazu. Sie lächelt. Aber im Großen und Ganzen bin ich wirklich sehr zufrieden in Hausen. Ich wurde herzlich aufgenommen und mir sind viele von euch sehr ans Herz gewachsen. Auch wenn ich manchmal den Eindruck habe, dass der ein oder andere ganz froh wäre, wenn ich doch noch die Flucht ergreife. Dorothea lacht.