Amara hielt das Handy knapp vor sich, den Finger fest auf dem Bildschirm, während sie durch die Straßen des Dorfes stapfte. Die Karte auf dem Display blinkte ungeduldig, die blaue Punkte bewegten sich, als würde ihr eigener Standpunkt ständig hinterherhinken.
„Okay, Rathaus… wo genau bist du?“ murmelte sie, mehr zu sich selbst als zu irgendjemandem sonst.
Die Häuser hier waren niedriger, die Gärten kleiner, die Straßen enger als alles, was sie aus der Stadt gewohnt war. Ein alter Zaun knarrte im Wind, und irgendwo ganz weit entfernt jaulte ein Hund – kurz, aber laut genug, um Amara zusammenzucken zu lassen. Sie schielte auf ihr Handy, dann auf die verwinkelte Straße vor sich, und entschied sich für den linken Weg.
Ein paar Schritte weiter blieb sie stehen. Ein Radfahrer kam entgegen, grüßte freundlich, und Amara nickte nervös zurück. Sie hatte das Gefühl, dass jedes Haus, jede Hecke ihr ins Handy log, als wolle es sagen: „Nein, hier bist du falsch.“
Schließlich blieb sie vor einem kleinen Platz stehen, das Handy in der Hand, den Kopf leicht schräg. Sie atmete tief durch und schüttelte das Lachen ab, das sich in ihr aufdrängte. „Irgendwo hier muss es doch sein…“
In diesem Moment hörte sie ein leises Fauchen hinter sich. Sie drehte sich um und sah eine Orange Katze, die sie neugierig aus den Augenwinkeln beobachtete. Amara lächelte. Vielleicht war das Dorf doch nicht so fremd, wie es auf den ersten Blick wirkte.


Amara dämmerte langsam, dass sie sich noch gar nicht vorgestellt hatte. Sie richtete sich ein wenig auf und sagte: „Ich bin Amara Chambers. Und du?“ Dabei blickte sie Jaël fragend an.
Jaël ― oder wie auf meinem Dienstausweis steht Arjäël ― schön dich kennen zu lernen Amara.
„Jaël … schön, dich kennenzulernen.“ Sie nickt leicht, ihre Stimme ruhig und aufmerksam.
Was zieht dich nach Hausen?
„Ach, hauptsächlich die Ruhe“, sagt Amara, während sie den Blick über die kleine Straße schweifen lässt. „Weg vom ganzen Trubel in der Stadt, dem ständigen Lärm und dem Stress. Einfach ein bisschen Platz zum Atmen, ein normales, ruhiges Leben … ohne dauernden Druck oder Menschenmassen überall.“ Sie lächelt fast ein bisschen verträumt. „Das gibt mir einfach das Gefühl, wirklich anzukommen.“
Klingt sinnvoll … ich glaube ich muss langsam weiter, sonst frieren wir noch hier fest.
„Na dann, pass auf, dass du unterwegs nicht zu Eis wirst.“ sagte Amara lächelnd und steckte ihre Hände in die Jackentasche
Ich versuche es ― komm mal vorbei bei uns wenn du willst, wir können immer Besuch gebrauchen.
„Danke, gerne“, sagt Amara lächelnd. Sie schiebt die Bücher sorgsam in ihren Rucksack, achtet darauf, dass nichts herausfällt, und richtet den Riemen danach gerade. Dabei wirft sie Jaël einen kurzen Blick zu, leicht warm, fast so, als wolle sie sagen: Schön, dass es passt. Dann hebt sie den Kopf, blickt nach links und rechts, um die Straße sicher zu überqueren, zu dem Auto, das sie schon vor Stunden geparkt hatte.