Amara hielt das Handy knapp vor sich, den Finger fest auf dem Bildschirm, während sie durch die Straßen des Dorfes stapfte. Die Karte auf dem Display blinkte ungeduldig, die blaue Punkte bewegten sich, als würde ihr eigener Standpunkt ständig hinterherhinken.
„Okay, Rathaus… wo genau bist du?“ murmelte sie, mehr zu sich selbst als zu irgendjemandem sonst.
Die Häuser hier waren niedriger, die Gärten kleiner, die Straßen enger als alles, was sie aus der Stadt gewohnt war. Ein alter Zaun knarrte im Wind, und irgendwo ganz weit entfernt jaulte ein Hund – kurz, aber laut genug, um Amara zusammenzucken zu lassen. Sie schielte auf ihr Handy, dann auf die verwinkelte Straße vor sich, und entschied sich für den linken Weg.
Ein paar Schritte weiter blieb sie stehen. Ein Radfahrer kam entgegen, grüßte freundlich, und Amara nickte nervös zurück. Sie hatte das Gefühl, dass jedes Haus, jede Hecke ihr ins Handy log, als wolle es sagen: „Nein, hier bist du falsch.“
Schließlich blieb sie vor einem kleinen Platz stehen, das Handy in der Hand, den Kopf leicht schräg. Sie atmete tief durch und schüttelte das Lachen ab, das sich in ihr aufdrängte. „Irgendwo hier muss es doch sein…“
In diesem Moment hörte sie ein leises Fauchen hinter sich. Sie drehte sich um und sah eine Orange Katze, die sie neugierig aus den Augenwinkeln beobachtete. Amara lächelte. Vielleicht war das Dorf doch nicht so fremd, wie es auf den ersten Blick wirkte.


„Das klingt ja richtig gut!“, sagt Amara begeistert. Dann schaut sie neugierig auf. „Wann hat die Bücherei denn immer geöffnet?“
Ungefähr von 8-20 Uhr täglich! Wenn Vincent, mein Chef, und ich beide mal verhindert sind ist sie mal geschlossen, aber das wird eigentlich immer angekündigt!!! Wenn du ausserhalb der Öffnungszeiten was brauchst kannst du mir auch gerne eine WhatsApp schreiben! Darf ich dir meine Nummer geben? Wie alt bist du eigentlich?
„Ja, klar“, antwortete Amara und lächelte offen. Es tat gut, so schnell Anschluss zu finden. „Ich bin 28 Jahre alt. Wie alt bist du?“
Bald 21! Was führt dich eigentlich nach Hausen?
Amara lächelt. „Bald 21, das ist doch ein gutes Alter.“ Sie zuckt leicht mit den Schultern. „Ich wollte raus aus der Stadt. Hausen wirkt ruhiger… echter.“
Ruhig jein! Irgendwie passiert hier ständig etwas!!!
„Dachte eigentlich, in den Dörfern sei alles etwas entspannter, so sagt man es zumindest… 😄“
Naja ein bisschen entspannter schon! Ich habe auch vorher in der stadt gewohnt. Aber meine Oma ist gier aufgewachsen und lebt hier immer noch… vielleicht hast du sie schon getroffen?
Amara zieht eine Augenbraue hoch und schaut Jaël einen Moment länger an, als nötig wäre. Der Wind fährt ihr kalt in den Nacken, aber sie reagiert nicht sofort darauf. „Noch nicht“, wiederholt sie langsam, als würde sie den Gedanken einmal wenden. Dann zuckt sie leicht mit den Schultern. „Aber was nicht ist, kann ja noch werden.“ Ein schmales Lächeln huscht über ihr Gesicht.