Roderick zieht langsam und vorsichtig seinen zurechtgeschnitzten Holzstab aus dem Feuer. Die Ratte, die darauf aufgespießt ist, riecht schlimmer als Wellensteyns Kloake, und sieht nicht groß anders aus, als so manches, das darin fabriziert wurde. Aber es ist immer noch besser, als gar nichts im Magen zu haben. Seine Mahlzeiten sind spärlich, seit er vogelfrei durch die Wälder wandert. Aber auf seinen Kopf ist eine stattliche Belohnung ausgesetzt, die ihn daran hindert, sich den Städten und Dörfern zu nähern.

Seit seinem Kampf in Hausen lebt er vom dem, was er findet. Er ist schmaler geworden, was ihm als Flüchtiger im Unterholz aber eher zugute kommt. Selten fängt er ein Wild. Vom Hof kennt er nur gedeckte Tische, wie er das Fleisch dörren könnte, hat er nie gelernt. Nachdem er sich nun schon zweimal für Tage den Magen verdorben hat, weil er hungrig zu viele Maden verschlungen hat - das Tier lag einfach zu lange - verzichtet er mittlerweile darauf, zu große Beute zu erlegen. Er hat sich an das gewöhnt, das über den Boden krabbelt, in den Seen schwimmt oder zu ungeschickt und im falschen Moment landet. Nachdem er mit der abgenagten Elle der Ratte seine Zähne gereinigt hat, wirft er die Reste in den Bach. Das letzte, was er in seinem angeschlagenen Zustand noch gebrauchen sind, sind die im Kleebachtal wildernden Wölfe.

Er löscht das Feuer, indem er den Waldboden darüber verteilt, zurrt seinen Beutel zusammen, und steckt sein Schwert in die Scheide, die ihm mittlerweile am Rücken hängt. Sein letzter Gegner hat es ihm gelassen. Trotz aller Schmach denkt er oft an ihn zurück. Es war ehrenwert. Ihr Kampf war ehrenwert. So anders, als er es aus dem Wellensteyn-Heer kennt.

Nachdem er seine Spuren so gut wie möglich beseitigt hat, macht er sich auf den Weg. Wie so oft folgt Roderick einem Tierpfad, der sich halbwegs begehbar durch’s Unterholz schlängelt. Lange kann er so nicht mehr weitermachen. Er braucht dringend einen Plan. Oder er ist verloren.

  • KalleGrabowski@lemmy.world
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    13 days ago

    Kalle streift durch den Wolfswald. Er bemerkt den, eigentlich sorgsam nachbehandelten, Platz an dem offensichtlich gestern ein Feuer gebrannt hat. Er schaut sich alles genau an und verfolgt die kaum sichtbare Spur. Nach einiger Zeit hört er vor sich die Geräusche einer Person die sich durch das Unterholz schlägt. Vorsichtig schlägt er einen Bogen um die Person unerkannt zu umrunden, versteckt sich in einem Busch und wartet. Kurze Zeit später erblickt er den Mann. Ausgemergelt, schmaler, ohne Rüstung und für die kurze vergangene Zeit sichtlich gealtert erkennt er ihn doch wieder. Kurz überlegt er. Greift seinen massiven Stock fester und tritt ihm in den Weg

    Sehet sehet. Wenn das nicht Roderick ist.

    Kalle hebt seine Hände

    Lasst das Schwert stecken.

    Er öffnet seinen Proviantsack und holt ein Stück Brot, kalten Braten und einen Schlauch heraus

    Sieht aus als ob du das gebrauchen könntest.

    Wellensteyn hat dich am leben gelassen?

    • RockerickOP
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      13 days ago

      Roderick zieht langsam die Hand vom Schwertgriff, lässt den Mann aber nicht aus den Augen, die misstrauisch zusammengekniffen sind. Kalle von der alten Mühle… murmelt er. Sein Blick wandert vom Stock, den sein Gegenüber fest in der Hand hält, zum Proviant, den er ihm mit der anderen hinhält. Er will danach grabschen, hält sich aber zurück, obwohl sein Magen beim Anblick des kalten Bratens tobt. Wellensteyn… PAH! Diese Made von einem Herren hat er hält kurz inne eine Belohnung auf meinen Kopf ausgesetzt, nachdem ich ihm vom Ausgang des Kampfes um Hausen berichtete. Glücklicherweise sind die Soldaten bei Hofe genauso nutzlos, wie in der Schlacht, und ich konnte fliehen.

      Erneut schaut er gierig auf den Proviantbeutel.

      • KalleGrabowski@lemmy.world
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        13 days ago

        Kalle setzt sich auf einen der Steine und breitet ein Tuch aus

        Setz dich doch.

        Wellensteyn…Kalle schaut ins nichts…ein verkommenes Subjekt. Selbst nicht in der Lage einen Kampf zu führen aber andere danach messen wollen. Er spuckt aus und holt dann einen Dolch heraus und schneidet Scheiben vom Brot und Klumpen vom Fleisch

        Offensichtlich ist es dir nicht gerade gut ergangen seitdem

        • RockerickOP
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          13 days ago

          Kaum etwas fiel Roderick je so schwer, als sich jetzt, den Blick starr auf den Mann zu richten, langsam zu setzen. Kurz flammt alter Hass in ihm auf. Ein von Gebuehrenfels wird nicht gebeten, sich zu setzen. Von einem Bauerntölpel. Ein von Gebuehrenfels setzt sich und wirft den anderen die Krümel hin. Aber ein von Gebuehrenfels… ist er auch nicht mehr. Er lässt sich also auf einen der anderen Steine sinken, Kalle aus dem Augenwinkel weiter misstrauisch beäugend. Er nimmt sich ein Stück Braten.

          Ohne mich wäre Wellensteyn schon vor vielen Jahren von einer seiner Mägde im Schlaf erdrosselt worden. Der Hundesohn hat nicht einmal die Kraft, mit der Faust einen Wurm zu zerdrücken. Aber um Kraft und Ehre geht es bei Macht nicht. Er kaut mittlerweile bedächtig auf einem Stück Brot… Nach mir kam direkt der nächste arme Wurm, der von seiner Familie als Schoßhund an ihn verkauft wurde. Seine Tentakel reichen weit. Deshalb muss ich mich in Acht nehmen und lebe hier wie… wie ein ängstliches Reh, gejagt von den Männern, gejagt von den Wölfen, denkt er sich. Spricht es aber nicht aus - der letzte Funke Stolz lässt das nicht zu.

          • KalleGrabowski@lemmy.world
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            13 days ago

            Wie ein ängstliches Reh. Gejagt von Mensch und Tier…

            Kalle beißt in das Brot und nimmt einen Schluck aus dem Schlauch. Dann hält er ihn Roderick hin

            Hausen ist mittlerweile frei von Wellensteyns Griff. Ab und zu erscheint ein Bote mit leeren Drohungen und hochgestochenem Geseier aber wir haben jeden von ihnen wieder zurückgeschickt mit der selben Antwort. Das er uns am Arsche lecken kann. Seine Streiter trauen sich nicht mehr zu uns. Hausen wird mittlerweile von einem Rat geführt.

            Im Grunde verdanken wir auch dir diese Freiheit…

            • RockerickOP
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              13 days ago

              Stumm nimmt Roderick den Schlauch entgegen. Der Alkohol rinnt wärmend seine Kehle hinab. Er begreift noch nicht, warum dieser Bauer nett zu ihm ist. Weder hat er Angst vor ihm, noch hat er eine Bezahlung dafür bekommen. Argwöhnisch spuckt er ein Stück Braten vor sich auf den Waldboden.

              Ihr macht euch lustig über mich. Meine Niederlage.

              • KalleGrabowski@lemmy.world
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                13 days ago

                Mitnichten.

                Du bist jung. Auch wenn du mittlerweile um mehr gealtert zu sein scheinst als Zeit verstrichen ist. Argwohn ist eine Tugend wenn man vogelfrei ist. Aber man muß aufpassen das es einen nicht verbittert. Steckt sich ein Stück Braten in den Mund

                Wenn ich sage das Hausen genauso vogelfrei ist wie du… weißt du was ich damit sagen will?

                • RockerickOP
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                  13 days ago

                  Roderick fummelt lange mit gesenktem Blick an einem Stück seines Handschuhs, hebt dann schließlich den Blick und schaut Kalle an. Ich… meint Ihr das Ernst?

                  • KalleGrabowski@lemmy.world
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                    13 days ago

                    Hausen ist nicht nachtragend…außer die alte Wolfeisenhexe…aber die haben wir verbrannt.

                    Wird es Anfeindungen geben? Wahrscheinlich. Aber keiner im Dorf wird dich anschwärzen. Dafür hassen wir Wellensteyn einfach viel zu sehr. Und besser als ein Leben im Wald ist es allemal