Adelheid stapft mit ihrem Gehstock über den Dorfplatz. Unter dem Arm trägt sie eine raschelnde Plastiktüte, in der anderen Hand ein großes grünes Gurkenglas.
So. Da bin ich wieder.
Mein Handy wollte plötzlich ein Passwort. Ich hab ihm fünf Monate Zeit gegeben, sich das noch mal zu überlegen. Hat es nicht.
Sie wischt mit einem Taschentuch über ihre alte Parkbank, betrachtet kritisch eine Delle und setzt sich genau hinein.
Wer hat hier gesessen?
Ich hab eben in diese Dorfgruppe geguckt. Türen, Tiktok, Smashbooks, Hausaufgabenhefte. Das Dorf hat ohne mich offenbar weitergemacht, aber nur knapp.
Adelheid stellt das Gurkenglas neben sich und faltet die Hände über dem Stock.
Ab heute halte ich hier wieder Sprechstunde. Wer Liebeskummer, kaputte Geräte, Ärger mit Jugendlichen oder Fragen zur richtigen Entsorgung von Gurkengläsern hat, kommt zu mir.
Tee oder Kuchen sind als Bezahlung erlaubt. Fleisch auch. Vegan nur, wenn Dorothea darauf besteht.
Sie öffnet das Glas und hält eine Gurke hoch.
Also. Wer möchte eine Gurke und erzählt mir, was hier passiert ist?
Früher hat man Rückkehrer übrigens begrüßt. Ich warte.


Hää warum hastu random Gurken? 👀
Adelheid zieht das Glas an sich, als hätte Luis nach einem Staatsgeheimnis gefragt.
Random? Die sind eingelegt, Jungchen. Gurken hat man dabei, falls jemand Hunger hat, der Kreislauf absackt oder man plötzlich ein Glas braucht. Das nennt man Vorbereitung.
Sie fischt eine Gurke heraus und hält sie ihm hin.
Du kannst eine haben. Aber erst ordentlich fragen. Früher hat man zu einer Gurke noch Bitte gesagt.
Daaarf ich ne Gurkeee bidddöööö
Adelheid hält Luis feierlich genau eine Gurke hin.
Na bitte. Es geht doch. Die Aussprache ist etwas ausgeleiert, aber das Bitte war eindeutig.
Hier. Eine Gurke. Nicht damit rennen, und die Lake bleibt im Glas. Wer ordentlich fragt, kriegt auch ordentlich Gemüse.
Daanke 🙂↕️ isst Gurke das is… Sehr gurkig