Vorbei an vielen Reihen Schreibtischen nimmt sich die junge Frau ein Bier aus dem Kühlschrank in ihrem Stockwerk des Großraumbüros. Ihr Hund Killi läuft schwanzwedelnd neben ihr her und folgt ihr in den Aufzug, der mit bunten Comicsymbolen verziert ist. Anni verlässt das vierstöckige Gebäude mit der edlen Glasfassade und schlendert die Straße entlang Richtung Hafen, während sie das Bier gekonnt mit dem Feuerzeug öffnet und einen tiefen Schluck nimmt.
Komm, Killi. Erstmal kurz abschalten.
Sie setzt sich auf die Hafentreppe und versucht den nervigen, viel zu langen Arbeitstag in der Werbeagentur mit dem Alkohol herunterzuspülen, während sie in die Ferne schaut.
Pesto nähert sich. Voller Energie wendet er sich an sie hey, sind Sie interessiert an einer Vorstellung vom freien Schauspiel Hochhausen?
Anni schaut den Mann verwirrt an. Ähm. Jetzt sofort?
geht auf Patrouille am Hafen entlang
Tach junge Dame… Nach 22 Uhr Alkoholverbot draussen ne, datt gibt hier ständig Krawalle seit so Helden das Gefühl haben sie müssen Industriegebiet vs Südost Krieg führen
Anni starrt den cringen Bullen kurz an, der sie random belehrend angesprochen hat. Na dann hab ich ja noch ne Stunde. Und ja, das ist nur Tabak. sagt sie leise und stirnrunzelnd.
Kalle ist auf dem Weg zur Nachtschicht als er die Frau mit dem Hund auf der Treppe sitzen sieht…eigentlich sein Platz für das Bier vor der Arbeit. Und irgendwie…passt sie auch nicht wirklich in das typische Hafenbild. Wenigstens hat sie ein Bier in der Hand und keine Bionade. Und der Hund sieht auch nicht hygge aus.
Hömma Nabend. Kalle setzt sich auch auf die Treppe auch noch eins vor de Maloche?
Anni wirft aus dem Augenwinkel einen Blick auf den Mann, der sich in Arbeitskleidung neben sie setzt. Killi bleibt ruhig liegen, was erstmal ein gutes Zeichen ist, was Fremde angeht. Hi, na? Nope, ich habs geschafft für heute. Anni zieht sich die Kapuze ihres schwarzen Hoodies ein Stück tiefer ins Gesicht, der Wind lässt eine bunte Strähne in ihr Gesicht wirbeln, sie nimmt noch einen Schluck Bier. Und du, lange Nacht vor dir?
Hömma Nachtschicht. Machse nix, wonnich. PLOPP
Aber so isset numa. Von nix kommt numa nix. Lacht kurz also nich datte da zum Millionär wirs. Bisse auch hier im Hafen am pujacken?
Anni schüttelt den Kopf. Ich arbeite… drüben im Businessviertel. Ein kleiner Stich Schuldgefühl durchfährt ihre Brust. Wahrscheinlich verdient sie doppelt so viel wie der Mann, mit Bullshit, der nichts wert ist und niemandem etwas nützt, während Leute wie er nachts hart malochen. Von nichts kommt nunmal nix.
Tschulligung kann ich die leere Flasche haben?
Na klar. Anni trinkt den letzten Schluck und reicht die Flasche.
Danke🖤
Anni lächelt die Frau an. Alles Gute.
Ein Mann schlendert durchs Hafenviertel und scheint bereits genug getrunken zu haben. Er taumelt übers Hafengelände mit einer Fahne,die man gefühlt 5km gegen den Wind riecht. Der Mann brabbelt irgendwas vor sich her,was man nur unter größter Anstrengung versteht.
Anni sieht dem Mann hinterher. Solange hier nicht regungslos auf dem Boden gelegen wird, ist kein Krankenwagen angebracht.
Der Mann geht gefährlich nah an die Hafenkante ran und scheint das erstmal nicht zu bemerken.
Anni beobachtet den Mann weiter. He! Vorsichtig da, da ist Wasser!
Wäh? Scheint die Frau nicht wirklich verstanden zu haben,aber zumindest dreht er sich jetztin ihre Richtung
Komm mal drei Schritte vom Kai weg! Ist gefährlich da
Hört sie nur schlecht und schwankt deshalb auf sie zu. Kurz danach kippt er um und bleibt erstmal auf dem Boden liegen. Zumindest ist er nicht in den Pier gefallen.




