Wir könnten aba och für den singen, vielleicht motiviert dit den. Fängt an zu singen https://youtu.be/3A5kPtTuD18
Ursel
Ursel, 52, Apothekarin und Hobbylaborantin
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Zieht den imaginären Reißverschluss vom linken Mundwinkel zum rechten.
“Na Hauptsache, wir vastehn uns alle noch irjendwie, wa?”, Lacht fröhich, nimmt den Zwanni und tauscht ihn gegen das Restgeld, dass sie Patrick rüberreicht. “Na denn, schönen Tach noch und wenijer Koppschmerzen, wa?”
“Na prima, denn lass mich wissen, wann ick dit abholn kann, ja? Mach’s jut.”
Ursel lächelt Kalle an, die eine Augenbraue, die noch vorhanden ist, beugt sich fröhlich über ihrem Auge. “Tach jesacht. Ja, ick freu ma och, dat ihr hier jetzt wieda ne Apotheke und ne Ursel habt. Die bin ick übrijens. Also für die Ibus ab 800 brauchste nen Rezept. haste eens?” Beugt sich dann verschwörerisch nach vorn zu ihm “Oda soll ick dir eens fäslchen. Kost aba n bisschen wat extra. Sonst hab ick och wat andret nettet jejen Kopp und sooo.”
“35??? Na jut, is echte Handarbeit, wa? Ick zahl denn beim Abholen, ja?”
“Freut ma, dich kennzulern, Stecie. Von wo biste denn vor überm Jahr herjekomm’?”
“Ach so is dit.” mimt mit den beiden Zeige- und Mittelfingern Gänsefüßchen “Wir” Das Wort betont sie besonders. “Ick hab natürlich och wat für danach.” Wendet sich dem Regal zu und schiebt die Packung rüber. “Dit macht 25€. Bar oder mit Karte?”
“Haste nich? Na jut, ick kann dir och die Paracetamol jeben. Nur, wenn de doch die Biergrippe hast, wie jesacht, dann wär wat andret besser. Aba, junga Mann, ick glob dir, watte sachst.” Sie schaut ihn erneut fragend an.
“Na dat se aus Aachen komm’ und in Köln war’n hab ick jetzt nich’ jehört. Dachte, Sie vasuch’n zu Bärlinan und kriejen dit nich richtich hin”, Lacht kurz schelmisch auf. “Aba is ja och intressant, wie wa alle so kling mit unsern Kodderschnauzen. Paracetamol willste? Na da kannste een druff lassen, dat ick die da hab. Wollt die grad dem Burschen mit da Biergrippe vakoofen, aba bei Biergrippe hilft doch wat andret.” Schiebt ihm die Paracetamol rüber, tippt den Preis in die Kasse und hält bereitwillig die Hand fürs Geld hin.
Freut sich wie Bolle. „Sachste mir denn, watte krichst, ja?“
Ursel hört sich das alles geduldig an und trinkt dabei genüsslich ihr Bierchen. Angeblich, so hatte man ihr in Berlin gesagt, sei das Bier überall besser als das Berliner Bier. Aber in der Hinsicht hatte sie offensichtlich keinen Gourmetgaumen. Sie schmeckte zwar den Unterschied zwischen den Biersorten, konnte sich aber nicht entscheiden, welches nun besser schmecken sollte. Ihr gelüstete einfach je nach Tagesform nach einer anderen Sorte.
“Na jut, ick meene, wir ham ja hier och junget Volk im Dorf. Die brauchen ja alle och nen Praktikumsplatz oder ne Lehre. Da kann ick mir ja Nachwuchs ranzüchten. Dann läuft die Apotheke irgendwann ab und zu och mal ohne mich und dann kann ick hier rüber komm’. Weeßte, wenn die Männers ihren FKK-Tach ham. Dann könn’ die Mädels, die sich heute alle Flintas nennen, och ihrn Kneipenabend haben. Ick gloob, dit könnte jut loofen.”
Kurz nach Feierabend macht Ursel noch einen kleinen Abstecher in den ‘Stoffwechsel’. Interessanter Name für einen Stoffladen, wie sie fand. In der Hand hatte sie eine leere Tüte.

“Du, kannste mir daraus nen kleenet Täschen machen? Hab dit mal uff so nem Trödelmarkt jesehn. Sieht janz schick aus und dit nennt man doch heutzutaje Upcycling, wa? Dit soll doch jut sein. Für de Umwelt und so.”
Schaut am nächsten Kunden vorbei zu Stacy, lächelt erneut und nickt: “Ja klar, ick bin die Ursel, aus Bärlin. Hab den Großstadtdschungel satt und nu bin ick hier. Und du? Schon lange hier?” ‘Wie anjenehm. Hier haste Zeit mit allen zu schnacken. In Bärlin wärste schon anjepöbelt worden, weil de nur dran jedacht hast, mehr als dit Nötigste zu quatschen.’
Ursel stemmt die Hände in die Hüften und legt den Kopf schief. “Wat?”, Kommt es ihr als der Rübe gerumpelt, “Ick wüsste ehrlich jesacht nicht, wie die dir helfen könnte.” Dann nickt sie links neben den Eingang. “Da drüben sind die Uffsteller mit den Kondomen”, sagt sie im Flüsterton, “Vorsicht is besser als Nachsicht, weeßte?”, zwinkert sie dem ihrer Meinung nach jungen Mann zu.
“Tach och, na da ruff kannste een lassen. Lass mir doch dit Feierabendbierchen nich entjehn.”
Nimmt die Hand, drück wohldosiert kräftig zu und schüttelt in Berliner Manier.
“Tach Patrick, ick bin Ursel. Ja, wahrscheinlich ein neuet Jesicht hier. Kann ma jedenfalls nich a’innern, vorher mal hier jewesen zu sein. Ick hab jehört, dat hier schon ne Weile die Apotheke leersteht. Da dacht’ ick mir, Ursel, dit is deene Schangse dem Großstadtdschungel zu entkomm’. Also, hier bin ick, hehe. Freut ma, se kenn’zulern.”
Sie schmult auf den Stapel Briefe: “Hamse mir wat schönet mitjebracht? Oda bloß olle Rechnung… dachte, die könnt ick mal noch ne Weile vom Hals halten…”
“Also ick hätt da nen Stickstoff-Abschlämmkonzentrator. Dit is platzsparender. Aba dit wär nur jejen nen jeringet Entgeld oda ne Leihjabe.”


“Du ick hab ma’ n bisschen den Dachboden bei mir ausjemistet. Da Jab et ne Ecke, da ham selbst die Motten dit Mieten uff jejeben. Aba wat ick jefunden hab, könnt dich intressiern. Also hier hab ick n Glas heilende Stille.” Hält ein Glas mit der Aufschrift “Bitte nicht öffnen, da Wirkung sich verflüchtigt” drauf.
“Dann hab ick hier n Bündel jebrauchten Wind” Hält eine aufgeblähte Papierrolle mit schnüren an den Seiten hoch
“Und schließlich noch selbstzweifelnde Sporen” Hält ein Glasröhrchen hoch, das Pilzsporen enthält.