11:55 Uhr. Außenstelle Parkstraße.
Maximilian trägt Stoffhose, dunkles Hemd, sauber gebügelt, darüber einen schlichten Mantel. Lederschuhe.
Die Tür zu Nathalies Büro ist geschlossen.
Er klopft einmal. Öffnet sofort und geht rein.
Nathalie sitzt allein am Schreibtisch und telefoniert.
Maximilian schließt die Tür hinter sich. Geht zum Schreibtisch, hängt den Mantel über die Lehne, zieht den Stuhl heran und setzt sich.
Er greift nach einem Stift. Zieht den Block näher zu sich und schreibt eine 6 auf das Blatt, welche er zweimal unterstreicht.
Geduldig beobachtet er Nathalie und wartet ab.


Wir haben ein paar Minuten, nutzen wir sie. Maximilian sagt nicht, was er meint. Aber sein Blick verrät deutlich, dass es ihm weniger um Zeitmanagement geht als um sie. Also Frau Brunning. Bereit für berufliche Fragen?
Ich kann ihnen alles sagen, worin ich kein Geheimnisträger bin.
Er rutscht sehr nah an Nathalie heran. ^Geheimnisse sind die besten. Erzähl mir eins.^
Nathalie beugt sich zu ihm, so dass ihre Köpfe nur einen Zentimeter auseinander sind. Statt ihm aber ins Ohr zu flüstern, flüstert sie ihm auf seinen Mund, so nah dass nicht nur ihre Worte in Atem, sondern auch im Hall zu ihr zurückkommen, kaum dass sie Sie gesagt hat, ^Ich glaube, du hast nicht verstanden, was ein Geheimnisträger ist? Dass ist nicht, dass ich Steuern “optimiert” habe, in dem ich eine Wohnung in Bonn gekauft habe, dass sind ECHTE Geheimnisse, die dein Verhältnis zur Gesamtheit der Welt verändern könnten!^
^Willst du noch einen Pfannkuchen, oder bist du mit deinem Ersten Nachtisch fertig?^
Er bleibt genau dort sitzen und geht keinen Zentimeter näher. ^Wenn es echte Geheimnisse sind, dann nehme ich mir Zeit.^ ^Ersten Nachtisch, das klingt als hätten Sie mehr geplant als ich.^
^Ich hatte schon Pläne für das Mittagessen, bevor sie gekommen sind.^ Nathalies Nase streicht leicht an seiner, bevor sie wieder auf Abstand geht, Vielleicht sollten wir wieder zum eigentlichen Zweck des Termins zurückkehren, immerhin mussten sie lange genug auf ihren Termin warten.
Also, Frau Brunning, weshalb ich hier bin. Er stockt kurz um Zeit zu gewinnen. Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie Ihre Mittagspause regelmäßig überziehen. Ein Blick auf die Uhr. 13:01 Uhr. Normalerweise hätte so etwas Konsequenzen. Die Frage ist nur, welche.
Gespielt unschuldig, ach habe ich dass? Ich dachte, mich erst um 12 Uhr 3 ausgestempelt zu haben? — Aber sie wissen ja, was man sagt: “Ein Beamter ist nicht bestechlich, aber immer bestechend”, Erwartungsvolles Lächeln.
Nathalie, dieses erwartungsvolle Lächeln ist gefährlich süß aber überzogen ist überzogen und dann noch frech zitieren?
Vorschlag, sofort korrekt einstempeln, vor meinen Augen. Dann unterhalten wir uns darüber, wie teuer diese kleine Mittagspausenverlängerung wird und glauben sie mir Frau Brunning, diese Lektion kann in Ihrer Außenstelle persönlicher gestaltet werden.
Oder Sie spielen weiter die Freche.
Ihre Wahl, Frau Brunning.
Aber beeilen Sie sich. Die Uhr tickt.