Der dunkelrote, irgendwo zwischen staubige und rostige Chevrolet Silverado wird in der Nähe vom Waldsee geparkt und der bärtige Mann beginnt, Sachen von der Ladefläche Richtung Seeufer zu tragen. Er wirkt dabei bedacht und sortiert, alles hat seine Ordnung, alles hat seinen Platz.
Zuerst trägt er zwei Ruten zum Seeufer. Die schwere für Hecht (er hofft, heute einen zu fangen) und die leichte, falls der See es sich anders überlegt.
Beim zweiten Gang nimmt er den Klappstuhl, der schon viele Gewässer mit ihm gesehen hat. Unter dem Arm klemmt eine Plane, in der anderen Hand trägt er die Kühlbox. Bei der Kälte bräuchte er sie nicht, aber ohne ein paar Dosen Bier geht er nicht angeln.
Beim dritten Gang holt der Mann, der eine schwere Winterjacke, eine dicke Hose und eine alte, verblichene Baseball-Cap mit Logo der Texas Rangers trägt, die Tackle-Box. Die Box ist nicht groß, aber durch die darin gelagerten Bleigewichte ist sie schwerer als sie aussieht. Vom Rücksitz nimmt er außerdem den Rucksack mit der Thermoskanne voller Kaffee und den Broten für später (Wurst, Käse, Mayonaise auf ungetoastetem Toast). Im Rucksack liegt auch sein Colt Python. Nur für den Fall.
Der Mann, er sieht aus wie Mitte fünfzig, bereitet am Strand des Waldsees alles vor. Der See liegt ruhig und friedlich vor ihm, nur gelegentlich erhellt vom Licht seiner Stirnlampe. Heute ist Neumond, der perfekte Zeitpunkt für Hechte. Er geht ein letztes Mal zum Heck des Pickups und holt die dicke Wolldecke, die immer noch ein bisschen nach Heimat riecht. Fast hätte er sie vergessen.
Er überprüft, ob der Pickup verschlossen ist, dann kehrt er zum Waldsee zurück.
Waylon tritt an den See und betrachtet die Oberfläche, die leicht gekräuselt vor ihm liegt. Er betrachtet sie lange, wie um sie zu begrüßen. Das erste Mal an einem neuen Gewässer ist immer besonders. Nachdem die Begrüßung abgeschlossen ist, widmet er sich der Rute zu.
Akribisch kontrolliert er die ersten Meter der Schnur. Das Licht der Stirnlampe wandert daran entlang. Dann rollt er weiter ab, prüft den nächsten Abschnitt. Erst dann öffnet er die Tackle-Box. In zahlreichen kleinen Fächern liegen ordentlich sortiert Bleigewichte, Köder, Ersatzschnur und alles, was man sonst zum Angeln benötigt.
Red greift nach dem Stahlvorfach, einem etwa dreißig Zentimeter langen Draht. Ein Hecht würde normale Schnur mühelos durchbeißen, gegen Stahl haben selbst große Zähne keine Chance. Er wiegt das Vorfach in der Hand, während er es anknotet, und entscheidet, dass kein zusätzliches Gewicht nötig ist. Er nimmt einen weißen Gummifisch, etwa zehn Zentimeter lang, zögert kurz, legt ihn zurück und entscheidet sich für den größeren. Vierzehn Zentimeter.
Als alles vorbereitet ist, wirft Red einen letzten Blick auf den See. Dann holt er aus und wirft die Leine weit in den See hinein. Er steckt die Rute auf den Rutenhalter und lässt sich mit einem leisen Seufzen auf den Campingstuhl sinken.
Die alten Finger suchen kurz nach dem Knopf der Stirnlampe, dann wird es wieder dunkel am See.


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