Anni hat nach einer schlaflosen Nacht beschlossen, mit Maxi zu sprechen. Sie versteht immer noch nicht, warum er Helmut ihre Gärtnerei zum Durchsuchen gesteckt hat - wie ein Verräter kam er ihr bisher eigentlich nicht vor, und dumm eigentlich auch nicht. Die Wut hat nachgelassen, die Unverständnis bleibt. Was hat er sich dabei gedacht? Sie klingelt bei ihm.


Wasähhä? Anni guckt verwirrt in Maxis lachendes Gesicht. O-okay, ja?
Er lässt die Tür offen stehen und rennt in die Küche. Bevor Anni folgen kann hört man ein Blech auf den Boden fallen.
Autsch. Maximilian sitzt am Boden. Ein Franzbrötchen klebt an der Dunstabzugshaube, eins hängt ihm halb von der Schulter.
Als Anni verdutzt die Tür hinter sich schließt, hört sie ein blechernes Geräusch aus der Küche. ^Obwohl sie das Gefühl nicht los wird, dass Maxi die Situation überspielen will, huscht ein winziges, unmerkliches Grinsen über ihre Lippen.^ Alles okay bei dir? Hast du dich verletzt?
Alles gut. Also… nichts Blutiges. Nur Teig, Zimt und meine Würde.
Er guckt auf die Dunstabzugshaube die Dinger kleben erstaunlich gut, wenn man sie frisch backt. Setz sich, ich erklär dir das mit Helmut, deshalb bist du doch hier, richtig? Franzbrötchen?
Anni nickt. Ja… also ja, deshalb bin ich hier. Aber auch ja, ich nehm gern ein Franzbrötchen.
Maxi zupft sich ein Franzbrötchen von der Schulter und das von der Dunstabzugshaube rutscht direkt daneben. Keine Sorge, du bekommst ein nicht verunglücktes. Er drückt Anni einen Teller in die Hand und drapiert das schönste Franzbrötchen mittig drauf. Also… er holt tief Luft Anni… ich hab Helmut zu dir geschickt. Der Typ wollte ernsthaft meinen Toaster durchsuchen er zeigt auf den Toaster der noch immer umgedreht auf dem Kühlschrank steht. Den Kühlschrank. Meinen Tablet-Stift. Ich stand da und dachte er nimmt mich mit. Dann hab ich überlegt wo er am wenigsten Schaden anrichten kann. Einen Ort, der so offen, ruhig und sauber ist, dass selbst Helmut merkt, dass er fehl am Platz ist.
Er wird rot.
Deine Gärtnerei.
Er dreht sich um und geht zum Herd. Anni den Rücken zugewandt redet er weiter.
Erde, Pflanzen, Luft. Dinge, die wachsen. Keine versteckten Geräte, keine dunklen Ecken. Und vor allem, dich. Ich wusste, du bist niemand, den man rumschubst oder einschüchtert. Du stellst ihn einfach vor die Tür. Ich habe da Hemmungen, mit den Ordnungshütern bin ich sehr vorsichtig, damit sie… damit sie nicht zuviel bei mir suchen.
Weißt du Anni, er dreht sich kurz zu ihr und schaut ihr tief in die Augen, Ich hab dir vertraut. Deiner Stärke. Deinem Ort. Wenn ich irgendwen in so eine Situation schicke, dann nur dahin, wo ich weiß, da ist es sicher. Maximilian wendet sich wieder dem Herd zu und kippt Milch in einen Topf. Kakao?
Anni hört zu, runzelt dann die Stirn und zieht eine Augenbraue hoch. Maxi, das… das klingt ja echt nett, wenn du das so sagst, aber mal ganz im Ernst, du hast mir als völlig Unbeteiligte einfach die Polizei nach Hause geschickt? Also… ich fühle deine Argumente gerade nicht so. Das macht man doch mit niemandem, den man mag. Anni beißt vom Franzbrötchen ab.
Maximilian stellt vorsichtshalber das Backblech mit den Franzbrötchen in Annis Reichweite. Wenn man es nüchtern betrachtet, klingt das genauso bescheuert, wie du es gerade sagst. Er zuckt mit den Schultern ich habe in dem Moment nicht klug reagiert, es war reflexhaft. Das heißt nicht das es richtig war.
Eine Weile schaut Anni Maxi still an. So richtig kann sie ihn gerade nicht lesen. Redet er sich weiter raus, oder meint er es jetzt beim zweiten Versuch Ernst? Ein komischer Beigeschmack bleibt. Hm, verstehe. Glaube ich. Ich wollte am Telefon auch nicht so schreien. Ich schreie eigentlich wirklich selten. Aber ich war ziemlich fassungslos in diesem Moment und hab das gar nicht verstanden. Anni linst auf die Franzbrötchen. Darf ich noch eins? Die sind echt gut.