Die Mehrheit aller Dorfbewohner, oder zu mindestens der Teil der Barbecue will, hat sich inzwischen im Garten versammelt. Einige haben sich schon ein Bier gezapft, das Pud Light wird weniger überraschend kaum getrunken, aber die Mehrheit wartet noch darauf, dass das Buffet und das Barbecue eröffnet wird.

Bevor es aber soweit sein kann lässt sich Cylla von Andrew auf einen Steinstapel heben, einer der Vorbesitzer hatte wohl in weiser Voraussicht für die nächsten 100 Jahre Echtsteinfliesen gebunkert und nimmt aus ihrer Jacke erst ein erschreckend großes Karteikartenbündel und tritt dann mit ihrem Absatz so hörbar auf die Fliesen, dass nicht nur eine springt, sondern auch alle Gäste kurz merken, dass ihnen Cylla noch eine kurze Festtagsrede verlesen will:

Wertæ Nacbarn,

es ist mir aine Freʊdæ, eʊc heʊte in solcer Zahl versammelt zu sehæn — wi vile doc es geshapht habæn, sic æntsprecænd unseres Motivæs zu klaidæn. Ic kænnæ di aine Hælfte von eʊc inzwishæn gænug, um zu wishæn, dash Vertraʊthait oft nur di elegante Form von angewœhntæn Laid ist, und di andære Hælfte noc nict gut gænug, um beraits mit Sicerhait sagæn zu kœnnæn, ob si ɯberhaʊpt in dæn Beraic jæner Mænshæn fællt, dæræn Gesellshaft man nict blosh ertrægt, sondærn gelegæntlic sogar zu shætzæn lernt.

Doc das ist heʊte zwaitrangig. Heʊte geht es um di Rebellion. Um dæn 250. Jarestag jæner amerikanishæn Rebellion, di bis heʊte mit dæm Pathos ainer sakralæn Grɯndung umgebæn wird, obwohl si bai nɯcterner Betractung eher wi ain ser kostspiliger Strait unter Leʊtæn wirkt, di sic fɯr aʊshergewœhnlic hiltæn, wail si sic waigertæn, waiterhin di Recnung aines Raices zu beglaicæn, dæshæn Vorzɯge si zuvor mit bemerkænswerter Selbstverstændlixait gænoshæn hadæn.

Di amerikanishe Rebellion wird gern als Morgænrœte dær Fraihait erzæhlt, als jæner aʊgænblix, in dæm di Mænshait ændlic aʊfstand und sic selbst erkannte. In Warhait war si aʊc ain Lerstɯx in politisher Selbstveredælung: ain aʊfstand, dær sic mit groshæn Wortæn shmɯxte, um ser gewœhnlice Intereshæn zu bemænteln. Man sprac von unveræusherlicæn Rectæn, wærænd man dise Recte mit dær Præzision aines Bucalters aʊf jæne besrænkte, di ohnehin shon dazugehœræn durftæn. Man beshwor di Glaicait, wærænd man aine Ordnung errictete, di aʊf aʊshhlush, Besitz und Gewalt beruhte. Man fairte di Fraihait, wærænd man si in Kedæn legte, sobald si nict mer in das aigæne Bild pashte. Das ist di aigæntlice amerikanishe Kunst: aʊs moralisher Unordnung ain nationales Grɯndungsdænkmal zu maisheln und es anshlishænd so lange zu konserviræn, bis selbst di Unzulænglixait noc als historishe Grœshe ershaint.

Und welc ain Dænkmal das wurdæ. ain Monumænt aʊs Prasæn, Prinzipin und Selbstlob, errictet aʊf dæm festæn Fundamænt dær selektivæn Erinnerung. Di Rebellæn erklærtæn sic zu Trægern universeller Warhait, obwohl ire Universalitæt in dær Praxis erstaʊnlic shmal aʊsfil. Si predigtæn Selbstregirung, solange di Regirtæn di rictigæn waræn. Si rifæn das Volk an, solange es sic gefællig in di gewɯnshte Form fɯgte. Und si erfandæn aine politishe Sprace, di so erhabæn klang, dash man fast ɯbersehæn konnte, wi bequem si di Wirklixait zurectbog. Fraihait wurdæ nict verwirklict, sondærn dæklamirt. Glaicait nict hergestellt, sondærn behaʊptet. Und Gerectigkait? Gerectigkait wurdæ, wi so oft, aʊf spæter vershobæn — also aʊf ainæn Zaitpunkt, an dæm di Betrophænæn længst aʊs dæm Blixfeld vershwundæn waræn und nur noc di Legændæ ɯbrig blib.

Besondærs bemerkænswert ist di amerikanishe Fæhigkait, Widærsprɯce nict als Makel, sondærn als Markænzaicæn zu behandæln. aʊs kolonialem aigænnutz wurdæ republikanishe Sændung. aʊs verletztem Handælsintereshe wurdæ ain Fraihaitsdrama. aʊs ainer politishæn Abspaltung wurdæ aine Weltgeshicte im Klainformat. Und aʊs ainer Rebellion, di ohne di Sprace dær Tugænd kaʊm aʊszukommæn glaʊbte, wurdæ ain nationales Evangelium, dæshæn Prediger bis heʊte mit ernster Mine verkɯndæn, man habe di Fraihait nict nur erfundæn, sondærn glaic mit moralisher Unfehlbarkait aʊsgestadæt. Es ist aine bemerkænswerte Form kollektiver Selbsthypnose: aine Nation, di sic so grɯndlic idæalisirt, dash selbst ire Widærsprɯce noc als Belege irer Grœshe zirkuliræn dɯrfæn.

Wænn wir also heʊte disæn 250. Jarestag begehæn, dann solltæn wir uns nict von dær ɯblicæn Festbeleʊctung tæushæn lashæn. Wir fairn nict nur aine Rebellion, sondærn aʊc di Geburt aines Mythos, dær saine aigæne Unvollkommænhait in aine Tugænd verwandælt hat. Wir fairn ain Fraihaitsversprecæn, das von Anfang an selektiv war, ain Glaicaitsidæal, das sic vor dær Wirklixait drɯxte, und aine politishe Grɯndung, di sic gern als universell aʊsgab, obwohl si in Warhait ser amerikanish, ser partikular und ser selbstgefællig war. Kurz: Wir fairn aine Rebellion, di sic bis heʊte fɯr dæn Anfang dær Geshicte hælt, obwohl si vor allem dær Anfang ainer ser langæn Selbstbewairæucerung war.

Abær, ic will mic kurz fashæn — aʊc wænn mir gesagt wurdæ, dash das Barbecue noc etwas Zait braʊct. Also kœnnæn wir di Wartezait wænigstæns sinnvoll nutzæn und shon ainmal anfangæn zu trinkæn. Dænn wænn man shon ainæn Mythos fairt, dann sollte man wænigstæns nict so tun, als wære er makellos gewesæn.

So blaibt mir nur noc aine Sace zu sagæn: Superior, hisht du bidæ di Flackæ.

Cylla springt vom Stapel und gestikuliert dem sichtlich aufgebrachten Andrew die amerikanische Flagge am Fahnenmast zu hissen und startet aus einer Musikbox “To Anacreon”. Nachdem dies, inklusive einer wenig überraschend schrecklichen Gesangseinlage von Andrew, vergangen ist, beginnt endlich der entspannte Teil des Tages ― nur das Barbecue, dass will Andrew immer noch nicht freigeben, es brauchen noch eine halbe Stunde. Cylla geht während dessen durch den Garten und begrüßt die Gäste.

  • Szesilia »Cylla« Lajtabruck, DPhilOP
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    1 month ago

    Cylla steht neben ihr: Waisht du, aigæntlic isht dash Buphæd noc nict erœphnæt, abær ic denkæ, wir kœnnæn ainmal ainæ Ausnahmæ macæn. Nimmt sich selbst zwei Sopaipillas: Gutæ Klaidungswahl ɯbrigæns, mɯshtæ ic nict disæm Modo sæblst folgæn, ic hædæ villaict ætwas æhnlicæs gewæhlt.

    • hmm,danke. schaut die Spießerdame mit dem schlechten Deutsch von der Seite an und scheint sie abschätzig zu mustern,als würde sie sich fragen,wie man sowas tragen kann.

      Ja,diesmal war die Idee sogar von meiner Mutter,normalerweise findet die Kostüme ja albern,aber diesmal war sie guter Laune.

      schaut aufs Buffet und nimmt sich einfach zwei Canapes(oder so). Mehr vom Oberschicht-Buffet kennt sie nicht.

      Sorry,sie sagten sie müssten diesem Motto folgen? Sie hätten doch einfach das gleiche tragen können wie ich,zwingt sie doch keiner ne Jeansjacke zu tragen.

      • Szesilia »Cylla« Lajtabruck, DPhilOP
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        1 month ago

        Ic glaubæ, si habæn nict di Rædæ verstandæ, dash ic mic klaidæ wi ainæ Pommeranzæ aʊsh Texas, dash isht doc æbæn di Spitzæ dær Ræbællion!

        • Lotti zieht die Augenbrauen hoch und mustert Scyllas Canadian Tuxedo noch einmal. Was hat denn das mit Rebellion zu tun,außer dass es von der Norm abweicht? Außerdem hab ich ihre Rede sehr wohl verstanden. Ihre Vorurteile gegen Amerikaner können sie gerne ablegen,es ist bei weitem nicht alles so schlecht dort wie sie es darstellen. Besonders wenn doch der eigene Partner daherkommt.

          Aus irgendeinem Grund scheint Lotti kratzbürstiger als sonst zu sein,irgendwie wirkt es,asl fühle sie sich beleidigt. Sie stellt ihren Teller mit den Canapes auf dem Buffet-Tisch ab und schaut Scylla fragend an,als sei diese ihr eine Antwort schuldig

          • Szesilia »Cylla« Lajtabruck, DPhilOP
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            1 month ago

            Cylla sieht sie entgeistert an: Du kannsht æs wohl wirklic nict værstææn. SIeht auf die Canapes in Lottis Hand: Und du kannsht jætzt dash Buphæd værlashæn, wir fangæn an mit Eshæn, wænn wir æs vækɯndæn.

            • Na schön sagt Lotti mit einem bösen Lächeln.

              Vielleicht muss ich mir dann nicht anhören was die Leute von Übersee so alles falsch machen.

              Lotti geht davon,bleibt aber kurz abrupt stehen und überlegt,ob sie Cylla noch einmal die Meinung geigen sollte oder ob sie besser mal mit ihrem Ehemann oder Partner oder so spricht.

              Vielleicht unterhalte ich mich nochmal mit ihrem Ehegatten über ihre Sicht auf die Amerikaner. Lächelt Scylla zuckersüß an,als hätte sie es ihr jetzt gezeigt mit ihrer Bemerkung

              • Szesilia »Cylla« Lajtabruck, DPhilOP
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                30 days ago

                Cylla sieht Lotti misstrauisch nach, sie ist etwas enttäuscht über das Mädchen ― aber gleichzeitig, was kann man von Suffragetten auch erwarten?

                • Lotti geht Andrew suchen und versucht sich nicht anmerken zu lassen,wie sehr sie diese Rede gekränkt hat. Wenn angeblich niemand diese Werte vertritt,wozu sind sie dann noch da? Sind es nur unerreichbar Ziele? Oder hat die Jeanskacken-Frau einfach zu viel Moscow Today geschaut? Wie immer muss sich Lotti moralischen Fragen stellen,bei denen sie die Antwort eigentlich kennt,aber nicht so wirklich will,dass sie wahr sind. Warum kann Amerika nicht tatsächlich die Bastion der Freiheit sein,die es immer predigt?

                  Etwas niedergeschlagen setzt sie sich auf einen Stuhl. Mit jemandem zu diskutieren hätte eh kein Nährwert,sie läge wahrscheinlich sowieso im Unrecht.