Robin sitzt auf einem wackelnden Klappstuhl, dem ein Bein fehlt und der nur durch einen untergelegten Stein gerade so standhält, mitten in dem, was einmal die Grundschule von Hausen war. Von Klassenzimmern ist nichts mehr übrig, nur noch Betonreste, offene Wände und ein Raum, der keiner mehr ist, sondern einfach der Ort, an dem sie Verwundete hinlegen. Eine Krankenstation nennen sie es trotzdem, auch wenn hier nichts mehr den Standards entspricht, nach denen sie einmal gearbeitet hat.
Ein Stück weiter draußen brennt das Feuer. Es geht nie aus. Niko und Alfred ziehen immer wieder Körper dorthin, schleifen sie über den Boden, ohne Kraft für Vorsicht, ohne Zeit für irgendetwas, das sich nach Würde anfühlen könnte. Robin schaut nicht hin. Sie hat gelernt, nicht hinzusehen. Aber sie kann es nicht ausblenden. Der Geruch ist immer da, schwer und süßlich.
Sie sitzt einfach da und wartet. Wartet darauf, dass der nächste gebracht wird. Wartet darauf, wieder funktionieren zu müssen. Und wenn sie ihn vor ihre Füße werfen, wird sie sich wieder bewegen, wird alles geben, was sie hat, um ihn irgendwie am Leben zu halten, auch wenn sie längst weiß, dass es nicht für alle reicht.
Schorschi wäre manchmal gerne der Klappstuhl, der hat sogar noch drei Beine.

