In den letzten Monaten wurde Bennis Vertrauen in andere Menschen hart auf die Probe gestellt. Nicht nur Fremde, nein, das wär ja nicht so schlimm. Was wirklich weh getan hat, war ein blaues Haar, das schön auffällig auf einem weissen Bettlaken zurückgeblieben ist als plötzlich Decken aus dem Haus verschwunden sind. Drei Jahre lang war Luis wie ein Sohn für Benni, bevor er seine für-immer-Familie gefunden hat. Und dann, nachdem die Bomben eingeschlagen sind… Verschwunden. Wochenlang. Und statt dem erhofften freudigen Wiedersehen hat der Kleine sich rein geschlichen und war wieder weg, bevor ihn jemand gesehen hat. Nicht aus böser Absicht, nein, da ist Benni sich sicher. Sondern weil er überleben will. Weil er Angst hat. Und weil er wusste, dass Benni ihm nicht weh tun würde, auch wenn er ihn erwischt hätte. Über die Monate sind die Haare immer weniger auffällig geworden als das Blau raus gewachsen ist, und Luis wurde schlauer, unauffälliger. Benni hat sich immer heimlich ein bisschen gefreut, wenn wieder irgendwas im Dorf spurlos weg war. Weil das zeigt, dass der verlorene Pflegesohn irgendwo da draussen noch lebt, vielleicht sogar mit Familie. Keine Erwachsenen könnten so unauffällig reinschleichen und wieder verschwinden.
Und trotz Allem… Es gibt noch Hoffnung. Ein paar alte Freunde, die noch versuchen sich fair und ehrlich durchzuschlagen. Ein Grüppchen angeführt von Kalle auf dem Recyclinghof. Ein Grüppchen angeführt von Pater Johann bei der Kirche. Vielleicht… Nur vielleicht… Eine Möglichkeit, halbwegs normal zu leben.
Während die Kleinen geschlafen haben, hat Benni die letzten Vorräte und alles Wichtige eingepackt und sich am Morgen, mit Kids und Vorräten im Bollerwagen, aufgemacht zur Kirche. Seit jemand (weniger vorsichtig als Luis) eingebrochen ist, ist die alte Wohnung eh kein Zuhause mehr. Es gibt auch bei Johanns Grüppchen nicht viel… Aber es gibt Hoffnung. Und solange es Hoffnung gibt, sind wir noch nicht verloren.
steht an der Kirche und versucht dem kleinen Anstrom an Menschen irgendwie Herr zu werden. Die Stimmung ist etwas angespannt,viele sind verletzt,alle sind verzweifelt und hungrig. Wieder einige wissen nicht,ob sie die Woche überstehen werden. Johann sieht furchtbar müde aus,so als habe er kaum geschlafen und stattdessen nur gearbeitet. Er versucht die Menge irgendwie zu beruhigen,ihnen Hoffnung zu machen,trotzdem er weiß,dass er nur der Hälfte von ihnen helfen kann.
Johann schickt ein Stoßgebet gen Himmel,kaum hörbar,außer wenn man fast neben ihm steht Bitte oh Herr hilf diesen armen Seelen in ihrer schwersten Zeit,denn meine Kraft schwindet
Wir schaffen das. Alle zusammen. Das Grüppchen Menschen, die irgendwie doch noch zusammenhalten, hat wieder Hoffnung gegeben.
Kann ich dir irgendwas abnehmen?
zwingt sich zu einem Lächeln.
Du hast Recht,wir schaffen das. Sobald man einmal unten ist,kann es nur noch hoch hinaus gehen.
Ich habe eine Idee,wie wir der Menge an Leuten endlich Herr werden könnten,aber dafür brauche ich dennoch etwas Hilfe.
Klar. Sag einfach was ich tun soll!


