Leicht knarzen Nathalies Stiefel auf dem in der Nacht frisch gefallen Schnee: Etwas übermüdet, aber fröhlich läuft sie durch das Dorf zu Maximilian für seinen “Ortstermin”. Ihr beiger Mantel zappelt leicht im Wind an ihrer Figur, doch darunter hält sie ein Pullover, mit hervorlugender Blouse, eine wollene Anzughose und ein bestickter Schal sie warm. Leicht bereut sie es dann doch, keine Handschuhe mitgenommen zu haben, doch da ist sie schon in seiner Straße und klingelt pünktlich fünf Minuten vor Terminbeginn an seiner Tür.


Maximilian lächelt, als ihr Kopf auf seiner Schulter liegt. Er streicht sanft über ihren Arm.
Der Schnee da draußen, den du so beobachtest, welche Flocke gefällt dir am besten? Die mit den langen Armen oder die ganz kleinen, die fast verschwinden? Er drückt sie an sich.
Ich mag es, wie du sie anschaust. Erzähl mir von deiner Lieblingsflocke.
Ähm … dass sind für mich von der Distanz nur weiße Punkte und nicht viel mehr ―ich würde sagen, Lange Arme vor runder Form? Nathalie spürt durch den Pullover wie seine kalte Hand über ihren Arm wandert, dann wie sich die Kälte in ihrem ganzen Körper ausbreitet, als er sie an sich drückt. ^Ich glaube, für kuscheln brauchen wir eine wärmere Decke ― weil nicht dass die Wärmflasche noch auf meinem Bauch reißt, weil du zu sehr drückst.^ Oder ich trinke erstmal etwas Tee zum innerlichen aufwärmen?
Maximilian hat garnicht zugehört, er dreht sich zu ihr und küsst sie. Für einen Moment steht die Zeit still.
Nathalie spürt den Kuss erst, als er schon da ist, die Wärme die er durch ihr Gesicht gleiten lässt, bis sie zu schnell abschwillt und Platz macht für ein nervöses Kitzeln in der Nase. Dieser Reiz, dieses Gefühl wandert über ihren Nase hinweg, bringt ihre Augen zum tränen und schiebt ihre Oberlippe hoch.
Er wischt Nathalie die Träne weg. Ich konnte nicht anders.
Oh ist was?, Nathalie rutscht unterbewusst nach links, sodass zwischen den beiden eine kleine Lücke entsteht, wollen wir dann ― hast du vielleicht eine Kleinigkeit zu essen, ich habe jetzt keine Mittagspause gemacht, und … mir ist kalt?
Alexa, Wohnzimmer 25 Grad!
Man hört das leise Summen des Thermostats, während er schon die dicke Kuscheldecke und seine heißgeliebten Alpakawollsocken aus dem Schlafzimmer holt.
Sag mal ehrlich, worauf hast du jetzt richtig Lust?
Erst jetzt bemerkt er, dass Nathalie ein kleines Stück zurückgewichen war. Die Intimdistanz ist verlassen.
Wir machen jetzt den echten Test wie wir harmonieren. Sushi, Pizza, Burger, Döner, Croque, Nudeln, Chinese, Indisch oder halt mein Essen.
Er lachte verlegen.
Du kennst ja den Kühlschrank mit dem leckeren Inhalt.
Er nimmt sein Handy, öffnete Lieferando und tippte den Standort um.
Mexikansich, Nathalie mümmelt sich in die Decke ein und man könnte fasst meinen, sie wäre vor einer Minute aus Eiswasser geholt worden, so wenig sieht man jetzt noch von ihrem Gesicht aus dem Ganzen ragen. Aber du darfst auch gerne bestellen wo du willst, ich bin immerhin dein Gast.
Sagmal, geht es dir gut? Du bist ganz blass. Maximilian bestellt alles was ihm die App als Bild anzeigt. Tacos al Pastor, Enchiladas, Mole Poblano, Quesadillas, Churos und Flan. Er hat keine Ahnung was das alles ist.