Nach der Nacht auf der Rückbank würde Nathalie es heute eigentlich gerne ruhig angehen, ihre Mitarbeiter sind schließlich auch am Arbeiten, doch irgendwie kann sie Maximilian nichts abschlagen und hat für heute Abend ein Date vereinbart.
Nachdem sie in ihre Mittagspause ihren Mantel aus dem Jugendclub geholt hat, ihr Handy sicherheitshalber aufgeladen und das Auto durchgeprüft hat, ist der Tag schon vorbei und sitzt sie an ihrem Schreibtisch grübelnd. Etwas mehr Zeit zum planen hätte sie schon gebrauchen können, doch jetzt ist schnelles Handeln gefragt, Nervös tippt sie die Mine ihres Kugelschreiber rein und raus, als ihr einfällt, noch immer einen Schuhkarton mit sinnlosen Gutscheinen zu haben. Nachdem sie die abgelaufenen weggeworfen hat, zum Glück waren sie schon alle in einem Kuvert mit “2025” darauf, zieht sie solange einen Gutschein aus den 2026 ablaufenden, bis sie etwas passendes gefunden hat.
Glücklich geht sie zu ihrem Schrank, stellt sich ein Outfit bestehend aus Tellerrock, Bluse und Wollblazer zusammen und geht noch einmal mit ihrer Seife duschen. Nachdem sie wieder trocken ist, für Schminke bleibt jetzt wirklich keine Zeit mehr und nur noch schnell einen Lippenstift aufsetzt, bleibt ihr Blick an der Krawattenschublade hängen. Kein schlechtes Notfallupgrade findet sie, steckt eine in ihre Handtasche, vergewissert sich jetzt wirklich alles zu haben und fährt im C140 bei Maximilian vor.


Das Schnitzel ist ganz gut; ich esse und ich bezweifle, dass du überhaupt das Konzept von gesunden Essen als Atypologisches Diskursartefakt verstehst.
Ich würde behaupten, dass gelegentliche kulinarische Entgleisungen eine durchaus sinnvolle lebenspraktische Intervention darstellen. Nicht als Regelfall, sondern als bewusste Ausnahme, die hilft, das System zu erden. Wenn alles nur normativ gesund, korrekt und regelkonform wäre, würde man das Leben am Ende eher verwalten als erleben. Aber als Beamtin muss ich dir das nicht erzählen beißt ins letzte Stück und nimmt einen großen Schluck eiskalte Cola. Locker dich mal Nathalie. Du bist immer so… ernst.
Ich glaube, du verstehst Ernsthaftigkeit auch nicht ganz, aber du hast recht, ich habe etwas ernst an mir … zurück zu ― ach mach einfach weiter mit deinen Fragen.
Stupst sie an. Zurück zu… was?
Maximilian, ich lass dich deine Sache machen also ― das Mikro gehört dir, wenn du nicht willst, dass ich wieder die Zügel in die Hand nehme?
Wir könnten auch gemeinsam die Zügel in die Hand nehmen?
Sicherlich … aber vermutlich geht dass nicht, wenn wir weiter reden.
Maximilian sitzt satt gegenüber von Nathalie und wartet.
Nathalie setzt ihre Brille ab, streicht sich die ins Gesicht gefallenen Haarsträhnen aus dem Gesicht und nimmt dann Maxis Kiefer in die Hand ― nicht fest, aber würde sie wollen, ihre Fingernägel würden tief in seine Backen bohren können. Da sein Kopf nun fest gesichert ist, kommt sie selbst näher, macht mit ihrer anderen Hand seine Augenlidder zu und kommt dann noch einmal näher, bis sie ihm wieder ins Ohr flüstern kann.
^Hast du schon einmal nur an einer Person gerochen? Kein Sehen, kein berühren, kein sprechen, einfach nur gerochen?^
Ein einzelner Finger wandert auf seinen Mund, als Zeichen dass er nicht antworten soll. Als er wieder weg wandert und auch die Hand sich zurück zieht ist da gar nichts mehr ― nur noch die Hintergrundsgeräusche des Lokals und ein leichter Luftzug einer Bewegung die über Maxis Gesicht wandert.