Nach der Nacht auf der Rückbank würde Nathalie es heute eigentlich gerne ruhig angehen, ihre Mitarbeiter sind schließlich auch am Arbeiten, doch irgendwie kann sie Maximilian nichts abschlagen und hat für heute Abend ein Date vereinbart.
Nachdem sie in ihre Mittagspause ihren Mantel aus dem Jugendclub geholt hat, ihr Handy sicherheitshalber aufgeladen und das Auto durchgeprüft hat, ist der Tag schon vorbei und sitzt sie an ihrem Schreibtisch grübelnd. Etwas mehr Zeit zum planen hätte sie schon gebrauchen können, doch jetzt ist schnelles Handeln gefragt, Nervös tippt sie die Mine ihres Kugelschreiber rein und raus, als ihr einfällt, noch immer einen Schuhkarton mit sinnlosen Gutscheinen zu haben. Nachdem sie die abgelaufenen weggeworfen hat, zum Glück waren sie schon alle in einem Kuvert mit “2025” darauf, zieht sie solange einen Gutschein aus den 2026 ablaufenden, bis sie etwas passendes gefunden hat.
Glücklich geht sie zu ihrem Schrank, stellt sich ein Outfit bestehend aus Tellerrock, Bluse und Wollblazer zusammen und geht noch einmal mit ihrer Seife duschen. Nachdem sie wieder trocken ist, für Schminke bleibt jetzt wirklich keine Zeit mehr und nur noch schnell einen Lippenstift aufsetzt, bleibt ihr Blick an der Krawattenschublade hängen. Kein schlechtes Notfallupgrade findet sie, steckt eine in ihre Handtasche, vergewissert sich jetzt wirklich alles zu haben und fährt im C140 bei Maximilian vor.


Cityring ist auch schön … außerdem muss ich wohl doch noch einmal tanken, der Motor lässt es sich nicht anmerken, aber ab 150 schluckt er dann doch gehörig.
Maximilians Magen knurrt Schau mal, 32 km bis zu Fat Becky’s Food and Fuel. Das würde doch passen. Tanken, Essen und eine kleine Pause?
Nope, wir sind ja wirklich gleich da, dort drüben geht es doch schon auf den Cityring.
Hat sie tatsächlich nope gesagt? Maximilian erkennt bemerkt unvorhergesehene Seiten an Nathalie. N-o-p-e? Das erste nicht classybitchword was ich von dir gehört habe. Maximilians Magen knurrt hörbar. Wann sind wir da?
Gleich ― sag mir bis dahin, was classy-bitch ist und warum ich dich trotzdem mögen soll und schon sind wir da, versprochen.
Maximilian holte tief Luft. Ihm hätte klar sein müssen das eine Classybitch nicht weiß was classybitchig ist. Also pass auf. In meiner Welt gibts irgendwie verschiedene Sorten Frauen. Die einen sind so classybitch. Diese sind immer gut gestylt, kontrolliert, Premiumprodukt mit klarer Linie. Man weiß, wie man sich verhält, wo man steht, was erwartet wird.
Dann gibts die anderen. Öffnen verschlafen im Bademantel die Tür, schmeißen Schneebälle, mehr Gefühl als Konzept. Unberechenbar, manchmal chaotisch, aber irgendwie perfekt.
Er sieht sie direkt an. Du bist halt ziemlich eindeutig die erste Sorte. Wieso solltest du mich nicht mögen wäre eher meine Frage.
Nathalie sieht ihn enttäuscht an. Und du siehst bei de chaotischen mehr Vorteilen als bei den Classy-Bitchies?
Nicht Vorteile, eher andere Qualitäten.
Ich mag Menschen, die wissen, wer sie sind und wo ihre Grenzen liegen. Ob das classy ist oder nicht, ist mir eigentlich egal. Entscheidend ist, ob man sich daneben wohl fühlt…
Ein kurzer Blick zu ihr, dann wieder auf die Straße. Mittlerweile knurrt Maximilians Magen unaufhörlich. Du, ich glaube wir sollten mal anhalten.
Nathalie lächelt ihn an und sagt leicht verschmitzt. Da hast du es gerade noch herum gerissen, aber ich mag auch Menschen, die mal etwas Konflikt zeigen können.