Das Iglu entsteht an einem Ort, der bis dahin bewusst unbebaut bleibt. Ein schmaler Streifen zwischen Ost und West, weder eindeutig Dorfkern noch Randgebiet. Die Grenze verläuft hier nicht als Linie, sondern als Gewohnheit. Man weiß, wo man nicht weitergeht. Als Stacys Truppen beginnen, dort Schnee zu schichten, wird das zunächst als symbolischer Akt verstanden. Ein Zeichen. Ein Bauwerk ohne unmittelbaren Nutzen. Angeblich für Friedensgespräche geschaffen: Ein Iglu, halb Beobachtungsposten, halb Provokation. Doch schon auf der Baustelle flogen Schneebälle und nun weht Stacys Fahne über dem Iglu. Der Bau schreitet zügig voran. Große Schneeblöcke werden geschnitten, gesetzt, angepasst. Das Iglu wächst niedrig, kompakt, stabil. Es bietet Deckung, Sichtschutz und einen erhöhten Punkt in einem ansonsten offenen Gelände.
Freddys Reaktion bleibt zunächst aus. Beobachter halten das für Zurückhaltung. Für Abwarten. Für Unsicherheit. Heute weiß man: Es ist Vorbereitung gewesen.
Der Angriff erfolgt nicht frontal.
Er beginnt am Abend, es ist bereits dunkel, der Schnee hart. Das Weiß, das um den Jugendclub liegt, dämpft jedes Geräusch. Genau deshalb bewegt sich kaum jemand hörbar. Freddys Truppen nähern sich nicht als geschlossene Einheit. Sie kommen in kleinen Gruppen, zeitversetzt, aus verschiedenen Richtungen. Auffällig ist ihre Ausrüstung. Mehrere Zeugen berichten später von einheitlichen, dunklen Schneebrillen, die das Reflektieren von Licht verhindern. Die Kleidung ist nicht neu, aber funktional: schneeabweisende Jacken, gepolsterte Handschuhe, feste Stiefel mit grobem Profil, alles in Arktik-Flecktarn. Schneebälle werden nicht offen geformt, sondern in isolierten Beuteln mitgeführt, um Härte und Form zu bewahren. Funkgeräte werden nicht benutzt. Stattdessen kurze Lichtsignale aus abgedeckten Taschenlampen, die nur aus geringer Entfernung sichtbar sind.
Lange war der Spielplatz tabu: Zu nah am Jugendclub, den Doro mit strengem Blick neutral hält. Doch das Iglu nimmt den halben Spielplatz ein und thront als Bollwerk an der Ost-West-Grenze. Ein Affront aus Eis und Schnee, ein deutliches Zeichen: Bis hier und nicht weiter. Es war erwartbar, dass Freddy darauf reagieren muss. Doch wie er reagiert, dass konnte keiner vorhersehen. Statt einer offenen Schlacht wählt er einen Angriff im Schutz der Dunkelheit, nur von seinen treusten Untergebenen begleitet.
Die erste Phase bleibt von den meisten unbemerkt.
Posten am Iglu verschwinden nicht, sie reagieren nur nicht mehr. Schneebälle treffen gezielt Schultern, Knie, Rücken. Kurz, präzise. Getroffene werden aus der Linie gezogen, wie es die Regeln verlangen. Währenddessen sichern andere Einheiten das Umfeld. Kleine Schneeschaufeln kommen zum Einsatz, um lautlos Mulden zu vertiefen und Bewegungen zu verschleiern. Tarnnetze, improvisiert aus weißen Tüchern und Seilen, werden über Zäune und Geländekanten gelegt. Rückzugswege werden blockiert, ohne sichtbar versperrt zu sein. Wer den Weg sucht, findet ihn nicht sofort. Der Spielplatz hat sich innerhalb weniger Minuten in ein Labyrinth verwandelt, dass im Dunkeln und Schneegestöber kaum zu durchdringen ist, wenn man meint den Weg zu kennen.
Als der eigentliche Angriff beginnt, dauert er nur wenige Minuten.
Schneebälle prallen gegen die Kuppel des Iglus, nicht wahllos, sondern rhythmisch. Treffer folgen festen Mustern. Gleichzeitig dringen zwei Gruppen seitlich vor, nutzen den Schatten des Bauwerks und die Deckung der Spielgeräte, arbeiten sich bis an die Schneewände heran. Kurze Eisschaber werden eingesetzt, um Griffe in die Oberfläche zu schlagen, ein kleiner Trupp Angreifer erklimmt das Bauwerk. Das Iglu, gedacht als Festung, erweist sich als Sackgasse.
Stacys Truppen reagieren schnell, aber zu spät. Der Kampf bleibt intensiv, doch ungeordnet. Einzelne Vorstöße werden abgefangen. Jede Bewegung wird beantwortet. Jeder Fehler sichtbar. Zeugen sprechen später von einer auffälligen Ruhe auf der Seite des Ostens. Keine Jubelrufe. Keine Hast. Die Bewegungen wirken abgesprochen, fast einstudiert. Als würde jeder wissen, wo er zu stehen hat, als wäre der ganze Angriff minutiös vorbereitet und geübt.
Nach zehn Minuten ist die Schlacht entschieden.
Das Iglu steht noch, unversehrt. Aber es ist umzingelt. Die Fahne wird nicht gehisst. Der Fahnenmast auf dem Dach des Gipfels bleibt leer, nachdem Stacys Wolf abgenommen worden ist. Stattdessen wird ein gigantisches Banner an der Fassade des Iglus abgelassen. Ein Banner, aber auch ein unmissverständliches Zeichen: Freddy war hier. Freddys Truppen ziehen sich ebenso ruhig zurück, wie sie gekommen sind. Sie nehmen ihre Ausrüstung mit. Zurück bleibt nichts außer Spuren im Schnee, die bald wieder verwehen.
Auffällig ist ein Detail, das erst Tage später diskutiert wird. In offiziellen Berichten taucht es nicht auf. In privaten Aufzeichnungen jedoch schon. Mehrere Anwohner berichten von zwei Fußspuren, die kurz vor Beginn der Schlacht vom Iglu wegführen, ein Stück parallel zur Grenze verlaufen und dann wieder im Chaos der Kampfspuren verschwinden. Neben ihnen liegen zwei unbenutzte Schneebälle, sauber geformt, identisch groß. Ob Stacy und Freddy sich dort begegnet sind, lässt sich nicht belegen.
Sicher ist nur: Das Iglu bleibt nicht in Stacys Hand. Und zum ersten Mal im Schneekrieg geht ein Sieg eindeutig an den Osten.


Kann sein!!! Aber wie kann ein Ort des Friedens so schnell überrant werden- und das obwohl ich nur Kräuter sammeln war… egal, ich lasse mich davon nicht einkriegen!
Ich weiß es nicht, alles was ich weiß ist, dass hier kein Frieden existiert. Stacy sieht auf das verlorene Schlachtfeld.
Vanja schüttelt den Kopf ich dachte in neuraler Ort des Friedens würde respektiert werden und sicher sein!
Scheiß Osten!!
Isso!