Stacy lehnt sich tiefer über das Schneemobil, während der Motor unter ihr schnurrt wie ein hungriges Tier. Ein letzter Atemzug - dann gibt sie Gas und durchbricht die unsichtbare Linie zum feindlichen Gebiet.
Ihre Truppen öffnen ihr den Weg. Kurze Handzeichen. Gedämpfte Rufe. Disziplin. Der Schnee trägt Geräusche wie Echos und doch ist alles zu ruhig. Verdächtig ruhig. Von Freddy keine Spur. Kein Gegenangriff. Nur einzelne Gestalten, die aus Deckungen hervorschnellen und Schneebälle schleudern. Die Treffer verpuffen wirkungslos, prallen ab, spritzen Schnee auf wie Rauch.
Stacy dringt tiefer vor. Links und rechts fallen ihre Leute zurück, einige werden getroffen, andere werfen sich schützend vor sie. Jeder Schritt nach vorne kostet sie etwas - Zeit, Kraft, Verbündete. Sie registriert es. Speichert es. Schluckt es hinunter. Denn sie weiß, warum sie hier ist.
Die Basis taucht vor ihr auf: bedrohlich, still, wie ein Tier, das schläft, aber jederzeit zubeißen könnte. Sie kommt so nah, dass ein einziger falscher Schritt als Angriff gewertet würde. Doch sie ist nicht gekommen, um Freddy zu provozieren. Nicht heute. Nicht unvorbereitet. Nicht, bevor Gismos Aufnahmen ausgewertet sind. Nicht, bevor sie jede Ecke, jeden Hintereingang und jede Schwachstelle der Basis kennt.
Der Motor verstummt. Der Recyclinghof liegt vor ihr wie Niemandsland. Stacy steigt ab. Der Frost beißt sich in ihre Finger, während sie die Handschuhe enger zieht. Ihr Blick tastet die Schatten ab. Sie sucht Kalle. Nicht Freund. Nicht Feind. Etwas dazwischen und genau deshalb gefährlich. Sie braucht ihn, oder besser gesagt: Sie braucht etwas, das er hat.
Sie ist nicht da, um ihn heute zu rekrutieren. Nicht, um ihn zu überzeugen. Nur, um zu handeln. Um einen Schritt weiter zu kommen als Freddy. Sie setzt sich langsam in Bewegung, jeder Schritt bedacht, als würde sie ein vermintes Feld betreten. Wenn Kalle sich querstellt, kann alles kippen. Wenn er ihr gibt, was sie braucht, ändert sich das Gleichgewicht des Krieges. Und genau deshalb darf sie sich keinen Fehler erlauben.


Stacy hebt die Hände und zeigt ihre leeren Handflächen. Ich bin nicht hier um zu kämpfen.
Hömma. Datt willich dir auch geraten ham. Watt treibt dich hierhin?
Stacy entscheidet sich dazu direkt zur Sache zu kommen. Bei Kalle würde es ihr sowieso nichts bringen lange um den heißen Brei zu reden. Ich brauche deinen Hubschrauber
Hömma für Watt? Und wer soll den fliegen?
Ich will von oben angreifen. Sie verschweigt, dass sie Freddys Basis damit praktisch begraben will. Wenn die Basis weg ist, ist der ganze Krieg vorbei. Niko fliegt. ^Hoffe ich.^
Hömma. Also nur dattich datt genau verstehe. Niko? Der Niko? Wie soll der datt machen?
Und dann die ganz andere Kiste.
Bei aller Neutralität…bist du der Meinung dattich dir ermöglichen würde meinem Patenkind innen Rücken zu fallen?
Stacy spürt, wie sich ihre Schultern unmerklich anspannen. Ein Teil von ihr weiß, dass sie hier zu weit gehen könnte, dass ein einziger falscher Satz Kalle endgültig auf Freddys Seite treiben würde. Aber zurückweichen fühlt sich noch gefährlicher an. Verrat ist, wenn man Partei ergreift. Das tust du nicht. Du weißt, was passiert, wenn Menschen aus Angst im Krieg stehen bleiben. Stacy sieht Kalle lange an. Sie weiß wie schmal die Kante ist, auf der sie sich gerade bewegt. Kalle, willst du stehen bleiben?
Hömma. Vor allem weiß ich Watt is wenn eine Seite auf einma Lufthoheit hat.
Und du scheinz nich zu verstehen dattich hier nich stehe…sondern wache.
Und getz ma Butter bei de Fische. Datt is hier kein Krieg…
Doch. Für mich ist es einer. Und wenn du wachst, wenn ja wohl über Freddy. Über dein Patenkind. Ich habe gedacht, du wärst schlauer. Stacy läuft in Richtung des Tores. Und Kalle, du kannst so viel über Freddy wachen, wie du willst. Sein Schicksal ist längst besiegelt.