(Aus der Sicht des gefürchteten Anton McKäsi)
Der Abend hat längst diese satte, dunkle Schwere angenommen, die nur eine gute private Kellerbar erzeugen kann: poliertes Holz und der Geruch von Zigarren. Die Männer sitzen in tiefen Ledersesseln, Gläser klirren und die Flaschen werden nicht gezählt. Anton lehnt sich entspannt zurück; die Stimmung ist ausgelassen und gleichzeitig wie immer ein wenig gefährlich. Als Herr Friesenjung, dieser mysteriöse Multimillionär aus Bali (niemand weiß, woher das Geld stammt und niemand ist leichtsinnig genug, zu fragen.), sich vorlehnt und mit gespielter Unschuld nach dem Weihnachtsessen mit Antons Tochter fragt, hebt Anton nur langsam sein Glas und lächelt.
Pünktlich, meine Herren und ich meine wirklich pünktlich um fünfzehn Uhr standen meine Tochter und ihr… sagen wir: liebenswerter Dorftrottel vor der Tür. Man hätte meinen können, sie seien direkt aus irgendeinem alpinen Freizeitpark angereist, denn anstatt eines würdevollen Wagens parkten sie zwei Schneemobile quer in meine Einfahrt. Zwei! Hat dieser Junge tatsächlich kein Geld für ein Auto?
Für einen Moment herrscht Stille, dann ging ein unterdrücktes Lachen durch die Runde. Ein paar der Männer tauschen belustigte Blicke, einer schüttelt langsam den Kopf, als könne er kaum glauben, was er hört. Die Stimmung kippt in dieses spöttische Einvernehmen, das nur entsteht, wenn jeder schon ahnt, dass die Geschichte noch absurder wird.
Ein Range Rover wäre ja wohl das Mindeste gewesen, zumal der Bengel seine beiden Imbisse verkauft hat. Oh ja, meine Herren, beide. Nur um eine Ausbildung als Erzieher zu beginnen. Aber gut, wir wollen uns nicht im Elend fremder Lebensentwürfe verlieren. Wer bin ich, um über jemanden zu urteilen, den meine Tochter ohnehin in drei Monaten wieder entsorgt, weil sie launisch ist wie… nun ja, ihr Vater.
Ein vereinzeltes Kichern löst sich, gefolgt von ein paar murmelnden Kommentaren. Man hört das Rascheln von Anzügen, als sich einige vorbeugen, gierig darauf, wie die Geschichte weitergeht.
Und sagt mir: Kann man es mir verübeln? Wann, bitte, hattet ihr das letzte Mal tatsächlich mit eurer eigenen Frau Sex und nicht mit einer bezaubernden Blondine, die gelernt hat, worin ihre Talente bestehen?
Das Lachen wird lauter, einer hustet, ein anderer klopft sich vor Vergnügen auf den Schenkel.
Antonella, kam natürlich nicht auf die Idee, die beiden aufzufordern, ihre triefenden Schneeanzüge draußen auszuziehen. Also tropfte der Empfangsbereich, als hätten wir einen Gletscher hinein verlegt. Zum Glück habe ich Celeste über die Feiertage kein frei gegeben. Jemand muss schließlich arbeiten, wenn andere sich daneben benehmen.
Frederik - ja, ich habe sogar die Gnade, ihn Freddy nennen zu dürfen - brachte immerhin einen ausgezeichneten Wein mit. Hätte ich es nicht besser gewusst, ich hätte vermutet, Stacy hätte ihn beraten. Aber das Mädchen hat von Wein ungefähr so viel Ahnung wie ein Schaf von Aktien. Ich frage mich bis heute, wie dieses Gör so gründlich missraten konnte. Sie versteht unseren Lebensstil nicht. Alles, was sie kann, ist Geld ausgeben und das neuerdings wieder mit meiner Kreditkarte. Statt eine solide Firma aufzubauen, betreibt sie jetzt irgendeine Art Schneiderei für Bedürftige. Meine Herren, wirklich: eine herzerwärmende Katastrophe.
Herr Friesenjung beugte sich vor, das Glas zwischen den Fingern drehend. “Eine Schneiderei? Nun, Frauen brauchen ja irgendetwas, woran sie sich nützlich fühlen, wenn sie schon fürs Denken nicht gemacht sind.” Anton lachte leise, tief aus der Brust, als hätte Friesenjung genau den Punkt getroffen.
Stacey hingegen hat Stil. Versteht ihr? Höflich, gut erzogen. Apropos: Stacey, mein Junge: mehr Käsespieße.
Stacey erhebt sich sofort, ordnet das Jackett und verschwindet Richtung Küche. Anton nimmt das ganz selbstverständlich hin, als wäre der Junge nicht sein Sohn, sondern Teil des Personals.
Wir saßen also endlich am Tisch. Zur Vorspeise gab es Ziegenkäse-Tartelettes, perfekt angerichtet und ich frage unser frisch verliebtes Paar nach der Zukunft. Man kann ja wohl kaum in einer dreckigen WG mit flohverseuchten Tieren leben und sich Familie nennen. Also sprach ich über ein ordentliches Haus. Über Heirat. Über Enkel.
Anton beugt sich leicht vor, sein Blick prüfend, als wolle er sicherstellen, dass niemand Unbeteiligtes mithört.
^Unter uns: Ich habe meinen Jungen kürzlich auf einer sehr… speziellen Website erwischt. GayLordsuchtGayPrince.com. Sagt mir, meine Herren: Welcher ernstzunehmende Erbe verirrt sich freiwillig dorthin?^
Und so bleibt mir - wenn wir ehrlich sind - nur noch Stacy. Ihre Söhne wären wohl die letzte, ernsthafte Hoffnung, dass jemand meinen Namen trägt, mein Werk versteht und tatsächlich in meine Fußstapfen tritt.
Ein leises Raunen geht durch die Runde; jemand pfeift anerkennend durch die Zähne, ein anderer murmelt: “Am Ende retten einen doch die Töchter.” Dann setzt ein trockenes Lachen ein - dieses wissende, unschöne Lachen von Männern, die glauben, die Welt bereits durchschaut zu haben.
Und dann sehen mich die beiden an wie frisch überfahrene Rehe und faseln etwas von “zu jung”, “Ausbildung beenden”, “das Leben genießen”. Antonella war sechzehn, als wir heirateten. Die wurde auch nicht gefragt, ob sie zuerst ihr Leben genießen will.
Wieder Gelächter, jetzt breiter, der Alkohol zeigt seine Wirkung.
Währenddessen wurde das Kalbsfilet serviert: Trüffel-Kartoffelpüree, Parmesan-Schaum, alles vortrefflich. Und dennoch bekam ich keine vernünftige Erklärung, weshalb sie mir nicht endlich einen Enkel schenken möchten.
In diesem Moment tritt Stacey zurück in den Raum und trägt ein goldenes Tablett voll Käsespießen, tadellos angerichtet. Anton nimmt sich beiläufig einen Spieß.
Freddy begann dann von seiner neuen Ausbildung zu erzählen. Selbstfindung, Herz und so weiter, als hätten wir früher Wahlmöglichkeiten gehabt. Früher bekam man Hof, Firma, Verantwortung. Fertig. Die Männer von heute? Weich. Wie… weichgekochte Eier, die schon beim Anschauen zerfallen. Doch was will man machen mit einer Tochter, die entschieden hat, sich selbst zur Rebellin zu erklären? Heute hast du keine Kontrolle mehr. Und dieser Looser - verzeiht mir - beschließt, ein noch größerer Looser zu werden, als er es ohnehin schon war, wegen Selbstfindung. Dass ich nicht lache.
Am Tisch lachte Herr Kaiser kurz auf - ein trockenes, respektloses Bellen. “Selbstfindung ist was für Leute, die sonst nichts vorzuweisen haben.”
Als das Blauschimmelkäse-Mousse kam, wagte Stacy, das Gespräch umzulenken. Unhöflich. Respektlos. Ich habe sie darauf hingewiesen. Frederik kann schließlich für sich sprechen. Und als sie schließlich die Augen verdrehte, als wäre sie kurz vorm Koma, habe ich mich herabgelassen, die Stimmung etwas zu entspannen. Man will ja die Bindung pflegen - jetzt, wo Stacey offensichtlich nicht mehr als Nachfolger infrage kommt.
Stacey hört jedes Wort. Er steht stillschweigend auf und verlässt den Raum. Niemand sagt etwas.
Sie fragte schließlich, warum ich sie überhaupt eingeladen hätte. Ob ich sonst nichts zu tun hätte. Natürlich habe ich das, aber an Weihnachten kommt erst die Freude, dann das Geschäft. Also erklärte ich ihr, dass ich lediglich meinen zukünftigen Schwiegersohn näher kennenlernen wollte. Die Vergangenheit ruhen lassen und in die Zukunft schauen möchte. Familie, Enkel… ihr wisst schon. Sie hat mir kein Wort abgenommen, aber der Versuch zählt. Also klopfte ich mir auf die Oberschenkel, sagte “Sooooo” und wir gingen hinüber zum Christbaum. Stacey bekam einen Personal Trainer. Männlichkeit muss schließlich geformt werden. Vielleicht wird eine nette junge Dame ihn dann überhaupt einmal ansehen und ihn in die richtige Richtung lenken.
Ironischerweise - wie Anton später herausfindet - wird das gründlich nach hinten losgehen.
Meiner Tochter schenkte ich ein Haus - in der Nähe, großzügig, drei Kinderzimmer, zwei Arbeitszimmer. Nichts, was mich beeindruckt, aber für sie mehr als genug. Dank? Fehlanzeige. Stattdessen dieselbe Litanei wie beim Essen: Ihr Leben, ihre Entscheidungen, ich solle mich heraushalten. Freddy erhielt einen Gutschein für L’or Secret - fünfundzwanzigtausend Euro. Für den Verlobungsring, selbstverständlich. Er bedankte sich - brav, höflich, wenn auch etwas zögerlich - und Stacy begann, völlig unerklärlich “Hundescheiße” zu rufen.
Anton nippt an seinem Bourbon.
Und dann, meine Herren, waren sie weg. Noch bevor ich Herrn Hakamoto Sans Rezept für seinen legendären Eichelkäse erfragen konnte. Eine wahre Goldmine, ich spüre es. Kurzum: Nein. Ich bin an diesem Abend nicht zum Geschäft gekommen. Und Freude… nun ja.
Anton drückt die Zigarre mit einer ruhigen, bestimmten Bewegung aus. Der Rauch steigt langsam auf, während die Männer schweigend ihre Gläser heben.
/un Ich distanziere mich von den getroffenen Aussagen.
Das ist eure Chance ein reicher Protz in Antons Kellerbar zu sein und mitzumischen!


Seien Sie versichert räuspert eine Stimme sich bei mir wird Ihr Sohn hestes Training erhalten. Ich wurde getrained von den besten der besten und war beinahe Sieger bei den olympischen Spielen. Ein real Man. Jeffrey lacht süffisant Die Launen Iher Tochter durfte ich bereits erleben…
Sehen Sie, Jeffrey: genau deshalb habe ich Sie engagiert. Einer wie Sie hat gelernt, aus schwachem Material wenigstens etwas Vorzeigbares zu formen. Er hebt sein Glas gönnerhaft. Mein Sohn braucht jemanden, der ihm beibringt, dass das Leben kein Streichelzoo ist. Und meine Tochter… nun, ihre Launen sind berühmt.
lacht herzhaft