Es wird dunkel. So dunkel wie es in einer Großstadt nunmal wird. Manchmal denkt Kalle an die stockfinsteren Nächte in Afghanistan. Man konnte die Milchstraße sehen weil es kilometerweit kein künstliches Licht gab. Wenigstens explodieren hier keine Autos und keine 12 jährigen schießen mit AKs die älter sind als deren Väter auf einen. Kalle tritt auf die Straße und atmet tief ein. Der Nieselregen des Morgens wurde abgelöst durch einen heißen Tag. Die Luft fühlt sich an als ob man Suppe atmen würde. Der Geruch ist eine wilde Mischung aus Abgasen, Kochgeruch und dem typischen Geruch eines Hafens der vom Abendwind herangeweht wird. Kalle zündet sich eine Zigarette an und schlendert zum Kiosk. Er kommt am Lastenrad mit den platten Reifen vorbei. Zwei Typen mit Dutt versuchen gerade erfolglos die Reifen auszubauen. Sie haben sogar schon Ersatzreifen an der Hauswand lehnen.

“Entschuldigung. Wissen sie zufällig wie man die Räder hier ausgebaut bekommt?”

Hömma ja sia.

“Weil irgendjemand hat die Luft rausgelassen und wir müssen neue einbauen”

Hömma ihr zwei Luftpumpen…schomma dran gedacht die Reifen einfach aufzupumpen? Kerlokiste…

“Warum denn so unfreundlich?”

Kalle nimmt einen tiefen Zug von seiner Reval (ohne Filter) und pustet dem Typen direkt ins Gesicht

Weil ihr hier nix verloren habt. Ihr Penner kommt hierhin weil euch Südost mittlerweile zu teuer is. Ihr sorgt dafür datt hier allet teurer wird. Ihr habt hier gar nix verloren. Und irgenswann zieht ihr weiter wie son Haufen Heuschrecken und lasst für alle andern nur verbrannte Erde zurück. Ich bin hier groß geworden, meine Eltern sind hier groß geworden. Und deren Eltern sind damals aus Polen hierhin gekommen und ham die Stadt aufgebaut. Ihr wisst gar nich wattat heißt inne Stadt zu wohnen. Aber klingt ja gut wemman sacht “Ich komme aus Neustadt. Total urban feeling hier.”

Macht Kotzgeste

Und getz lass mich in Ruhe du Abziehbild. Ich muss anne Bude.

Kalle geht weiter. Hinter sich das aufgeregte Gebrabbel der zwei Hipster leiser werden lassend. Er betritt den Kiosk

Hömma Tach Hakan. Zweima datt Export und gibse mir dreima Reval ohne?

Er nimmt ein eingerolltes Plakat aus seinem alten Bundeswehrrucksack

Und kannich datt hier aufhäng?

  • Charlotte geht furchtbar genervt und auch ziemlich nervös durch Bruckberg,nachdem sie die neue Adresse ihres Vaters gefunden hat. Ihr wurde heute schon mehrfach hinterhergerufen,sie wurde ein paar Mal bedrängt und einer ist sogar übergriffig geworden und hat versucht ihr an den Hintern zu packen. Wann hört sowas endlich auf!? Warum Müssen alle Männer immer so eklig und scheiße sein!? Sie ist unglaublich wütend darüber,dass ihr all das nur passiert ist,weil sie ihren Nichtsnutz von Vater besuchen möchte. Und sie ist sauer,dass sie all diesen Männern so ausgesetzt ist. Man kann damit nicht zur Polizei gehen,das bringt einfach nichts. Vorallem hier nicht. Und wenn sie mit jemandem darüber reden will,dann kommt oft nur zurück,dass sie sich mal nicht so anstellen soll. Es ist einfach so zermürbend und das macht sie so furchbar wütend und traurig. Zuhause in Hahnwald wäre ihr das nicht passiert,da leben noch anständige Leute und nicht so Gesindel wie hier. Vorallem das immer mehr Ausländer hierher kommen,gefällt ihr gar nicht. Nur faules Pack sagt sie leise,als sie an einem Spielplatz vorbeikommt,auf dem ein paar Migranten-Teenager abhängen und zu lautem Assi-Rap irgendwelchen Blödsinn machen. Sicher werfen die mir gleich auch wieder irgendwelche Sprüche hinterher. Kennt man ja nicht anders von denen.

    Charlotte geht nun durchs Neubaugebiet und ist ein wenig froh,dass die Teenager ihr nur aus der ferne etwas zugerufen haben und nicht wie andere auch noch auf sie zugegangen sind. Sie geht durch ein besseres Viertel. “Der Kiez muss schöner werden” prangt an einem Fenster und sie könnte dem Spruch nicht mehr zustimmen. Bei dem Müll,der hier rumliegt und all den Pennern und Migranten klingt das schon vernünftig.Sie geht sie Straße weiter entlang und kommt an zwei Hipstern vorbei,die zu dumm sind einen Fahrradreifen zu wechseln. Typisch Grünenwähler sagt sie leise im Vorbeigehen und geht unbeiirt weiter. Insgeheim hofft sie,dass diese “Männer” sie gehört haben und jetzt wütend werden,aber sie scheinen sich zumindest nichts anmerken zu lassen.

    Von plötzlichem Durst überkommen,geht Charlotte nun auf das Kiosk zu. Ihre makellosen,teuren Klamotten strahlen ein wenig im Licht des Kiosk,aus dem gerade eine Assi Frau hervorkommt. Lotti mustert die Frau abschätzig und nähert sich weiter dem Kiosk. Plötzlich erblickt sie einen kräftigen,etwas älteren Mann,der ein Plakat aufhängt. Sie stellt sich etwas abseits von ihm,damit sie es lesen kann,aber nicht mit dem etwas asozialer aussehenden Mann in Berührung kommt. Sie ließt es sich durch und kann nicht anders als dem Plakat zuzustimmen,besonders wegen seiner Machart. So sehen Plakate des Volkes aus und nicht irgendwelche Werbeposter von Konzernen. Es freut sie,dass sich die Leute(Das deutsche Volk) ihre Städte zurückholen wollen,die ihn von gierigen ausländischen Konzernen oder der Regierung genommen wurden.

    Charlotte lächelt den Mann an,der zwar etwas assi,aber immerhin deutsch aussieht. Es freut mich sehr zu sehen,dass sich manche Leute immernoch für den Erhalt dieser Stadt einsetzen und für die Rechte des kleinen Mannes kämpfen. Darf ich fragen wie sie heißen?

    /un Kleiner Disclaimer,Lotti ist normalerweise nicht rassistisch,in dieser Version aber leider schon,sie ist ziemlich rechts geworden so ein bisschen als Rebellion gegen ihre Eltern,die das nicht gut finden. Ich hoffe ihr versteht,dass ich dieses Gedankengut nicht in echt vertrete und hier einfach eine Extreme Version des Charakters darstellen möchte,der einfach abgerutscht ist.

    • KalleGrabowski@lemmy.worldOP
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      16 days ago

      Hömma ich bin Kalle. Hasse dich verlaufen? Oder gehörse zur Bionadebrigade?

      /Un

      Disclaimer. Kalle ist nicht Assi. Er ist halt Malocher aber weit entfernt von runtergekommen. Genau wie Bruckberg eigentlich ein typisches Arbeiterviertel mit Altbauwohnungen ist. Viele alte Menschen im Fenster, rauer aber trotzdem herzlicher Umgangston. So 70er im Ruhrpott…zumindest in meiner Phantasie

      • Nein,ich bin nur in der Gegend,um meinen Vater zu besuchen. Sie spricht das Wort Vater mit einer Verachtung aus,die selbst ein Tauber noch raushören würde. Mit diesen Soja Sörens hab ich zum Glück nichts zu tun.

        Sie hält Kalle die Hand hin. Ich bin Charlotte,freut mich mit ihnen Bekanntschaft zu machen.

        /un My bad. Vielleicht passt das zu den Vorurteilen von Lotti,die da einfach alle über einen Kamm schert. Ich pass das dann morgen mal an.

        • KalleGrabowski@lemmy.worldOP
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          16 days ago

          Kalle schaut auf ihre Hand. Er zögert kurz und drückt sie dann kräftig. Nicht weil er irgendwem imponieren will. Er hat einfach einen kräftigen Händedruck

          Hömma dein Ollen? Wer is datten? Weil vonne Eingesessene kennwa und eigentlich alle. Oder ist der neu hier nach Bruckberg gezogen?

          • Ist etwas beeindruckt von dem starken Händedruck des Mannes. Ein echter Mann denkt sie. Nicht wie diese Machos heutzutage die nur an sich selbst denken. Noch ein waschechter Deutscher. Der wohnt hier am Stadrand,hat vorher in Westend gewohnt,ist aber vor zweieinhalb Jahren nach Bruckberg gezogen. Weil er ja jetzt das Geld dazu hat. Der letzte Satz klingt abfällig,so dass man sich kurz fragt,ob sie wirklich von ihrem Vater spricht. Patrick heißt der. Arbeitet bei der Post und kippt wie ein Loch. Du kennst den nicht zufällig? Der ist in etwa nen halben Kopf größer als ich,hat braune Haare und Augen und liegt wahrscheinlich noch in Postjacke besoffen vor der Haustür. Du rauchst auch die gleichen Zigaretten wie er. Ohne Filter. Charlotte mustert den Mann genau. Er hat irgendwie etwas an sich,das sie schonmal bei Leuten gesehen hat und ihr bekannt vorkommt. Und es bedeutet nichts gutes. Nur Kummer und Sorgen. Sie spürt ein gewisses unbehagen,wenn sie ihn so anschaut. Seine ganze Mimik,die Art wie er sich bewegt,dieser Blick in den Augen,Charlotte hat das schonmal bei Leuten gesehen,aber sie scheint sich nicht ganz daran zu erinnern wo. Sie wirft dem Mann noch ein Lächeln zu,aber als er nicht zurücklächelt und ihr diesen komischen Blick zuwirft,begreift sie endlich woher dieses Vetraute Gefühl kennt,was sie so runterzieht,wenn sie diesen Mann anschaut. Ihr Vater hat auch diese Haltung,diese Blick an sich,der sie oft erschaudern lässt. Sie erzählt ein bisschen von sich,um den Kerl davon abzulenken,dass sie ihn mustert. Ihr Blick bleibt an der silbernen Halskette hängen,genauso eine,die ihr Vater auch immer trägt.

            Darf ich sie was fragen? Ihre Halskette,wo haben sie die her? Mein Vater hat auch so eine,will die mir aber nie zeigen. Aber ich hab genau solche Halsketten auch schonmal beim Bund gesehen,also falls sie sowas tragen. Kann ja sein,dass das einfach ein Erbstück ist oder gar nichts mit dem Thema zu tun hat. Verzeihung,ich war einfach neugierig,vergessen sie es.